Melissa Aldana

Filin

Blue Note/Universal

Melissa Aldana – Filin (Cover)Wenn Gonzalo Rubalcaba mit vorsichtig gesetzten, reduzierten Läufen in „La Sentencia“ am Flügel beginnt und Melissa Aldana dazu ihr Tenorsaxofon wie einen Segelflieger einschweben lässt, erinnert dies spontan an Kenny Barron und Stan Getz, das wohl einvernehmlichste Duo der Jazzgeschichte. Und die Gangart bleibt so. „Filin“ spielte die chilenische Ausnahmemusikerin mit Rubalcaba, Peter Washington, Kush Abadey sowie Cécile McLorin Salvant als Gastsängerin ein, und es geht dabei ausschließlich um Entschleunigung. Aldana, die John Coltranes Klassiker „Ballads“ als persönlichen Leitstern betrachtet, witterte in einem Projekt mit langsamen Tempi die Chance, ihre lebenslange Suche nach dem perfekten Sound weiter voranzutreiben. Als Schwierigkeit dabei lauert nur die wie ein Damoklesschwert über allem schwebende Langeweile. Doch die 37-Jährige versteht es grandios, den neun Titeln, die alle aus der kubanischen Filin-Tradition stammen, mit ihrem Spiel voller Klarheit, tiefem strukturellem Denken und einem persönlichen, luftigen Ton Körper und Seele zu verleihen. Und zum Glück wird sie auch danach weitersuchen.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 162

Veröffentlicht am unter Reviews

jazzahead! 2026