Buch: Now Jazz Now

Now Jazz NowNow Jazz NowEine aufwendig illustrierte Neuveröffentlichung würdigt 100 Alben mit frei improvisierter Musik aus der Zeit zwischen 1960 und 1980 – den Gründungsjahren und dem goldenen Zeitalter des Free Jazz. Dafür suchten zwei Musiker, Thurston Moore von Sonic Youth und der Saxofonist Mats Gustafsson, sowie der Kritiker Byron Coley aus ihren privaten Sammlungen 100 Veröffentlichungen heraus und würdigten diese mit rückblickenden Kurzbesprechungen. Sie erläutern Kontext, herausragende Merkmale und mitunter die Bedeutung für die eigene Biografie. So beschreibt Gustafsson „Spiritual Unity“ (ESP) von 1965 des Albert Ayler Trio frei nach Tolkien als „Die eine Platte“, für Moore ist es ein „Leitstern“, während Coley zugibt, beim Erstkontakt eher an „pure insanity“ als an Musik gedacht zu haben. Zu diesem Album melden sich alle drei Autoren zu Wort, aber zumeist bespricht jeder von ihnen persönliche Vorlieben und Empfehlungen.

So weist Gustafsson auf Bengt „Frippe“ Nordströms Pionierleistung „Meaningless“ (Bird Notes) von 1964 hin, Moore muss beim Schwärmen über Lester Bowies „Numbers 1&2“ (Nessa) von 1967 auf onomatopoetische Begriffe wie „squawk, squelch“ und „bleak“ zurückgreifen. Zu Coleys Auswahl gehört „When Angels Speak Of Love“ (Saturn) von Sun Ra And His Myth Science Arkestra (eines der wenigen Alben, auf denen das Arkestra durchgehend frei trötet). Das Buch bietet sich je nach Bedarf als Nachschlagwerk, Einführung, Wegweiser oder Gelegenheitsschmöker an. Abgerundet wird es durch Textbeiträge von Neneh Cherry und Joe McPhee und liebevoll illustriert mit Abbildungen der jeweiligen Artworks sowie Künstler-Porträts vom Fotografen Philippe Gras. „Now Jazz Now: 100 Essential Free Jazz & Improvisation Recordings 1960-80“ ist bei Ecstatic Peace, hat 277 Seiten und kostet um die 50 Euro.

„Now Jazz Now”

Text
Eric Mandel

Veröffentlicht am unter News

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