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Dominik Hoyer

Blick nach oben

Der Schlagzeuger Dominik Hoyer widersteht der Hektik. Sein Quartettdebüt „Nachtblau“ (Double Moon/Bertus) huldigt in der Reihe „Jazz thing Next Generation“ der Kraft der Nachdenklichkeit.

Dominik Hoyer Band – Nachtblau (Cover)

Schopfheim liegt im Tal der Wiese, die sich vom Feldberg aus den Weg in den Rhein sucht. Der Schwarzwald beginnt bald nach der Ortsgrenze, auf der anderen Flussseite reicht der Dinkelberg als bewaldeter Gebirgszug Richtung Hochrheingebiet an die Kantonsgrenze von Basel-Stadt. Ein friedliches Fleckchen Mitteleuropa, ein Raum der tendenziellen Ruhe.

„Ich bin gerne in der Natur unterwegs, beim Mountainbiken zum Beispiel. Das gibt mir viel Input, inspiriert mich zu Melodien, sphärischen Klängen“, meint Dominik Hoyer und erzählt weiter, dass er inzwischen wieder nach Schopfheim gezogen ist. Im Keller hat er sich ein kleines Studio eingerichtet, kann üben und ein wenig aufnehmen. Er unterrichtet in der Schweiz, hat sein Auskommen, eine komfortable Situation als junger Drummer, solange es einen nicht in die Haifischbecken zieht:

„Ich kann es nicht so recht glauben, dass ich einer dieser nächsten Generation sein soll. Vielleicht ist es eher ein Motto, das über der Albumreihe steht, weil ich davon so viel nicht merke. Ich fühle mich allerdings schon bei den Gleichaltrigen abgeholt, in Sachen Schlagzeug vielleicht bei Felix Lehrmann, auch wenn der kein Jazzdrummer im engeren Sinn ist. Mit Blick auf Amerika ist es eh verrückt, was sich dort vor allem technisch tut. Aber ich finde auch die älteren Kollegen wie Steve Gadd, Vinnie Colaiuta oder in Deutschland Wolfgang Haffner sehr spannend, wobei ich natürlich von meinen Lehrern beeinflusst bin. In Sachen Persönlichkeit und Aussage ist Jeff Ballard sicher ein wichtiger Wegweiser.“

Obwohl sie sich erst einmal nicht so viel zu sagen gehabt hätten, meint Dominik Hoyer weiter. Das sei erst mit der Zeit gekommen, als er verstanden habe, dass der Silberrücken des Jazzschlagzeugs weniger das Spiel als solches, sondern vielmehr ein Konzept vermittle, die Idee eines erfahrenen Lebens, das sich über das Instrument als Medium kommuniziert.

Dominik Hoyer (Foto: Jochen Müller)

Lehrer wie Mark Turner, Larry Grenadier, Julio Baretto oder eben Jeff Ballard sind Portfolios der Optionen an einem jazzmusikalisch eher unwirklichen Ort wie Basel, die Studenten wie Dominik Hoyer dann mit ihren Sozialisationen verknüpfen:

„Mein Großvater war Amateurschlagzeuger und hatte ein Drumset im Keller stehen, auf dem ich schon als kleiner Bub trommeln durfte. Mit sieben bin ich dann an die örtliche Musikschule gekommen. So hat alles begonnen. Ich hatte dann auch sein Instrument bekommen, habe es aber zwischendurch verkauft, weil ich als Zwölfjähriger ein Schlagzeug mit viel mehr Trommeln wollte. Inzwischen habe ich mir aber fast das gleiche wieder auf E-Bay zurückersteigert, ein Sonor Swinger aus den Sechzigern, auch ein wenig als Erinnerung.“

Es ist ein Zeichen für die eigene Entwicklungsrichtung. Studium, das war zum Beispiel viel Fusion, von der Jazzakademik gemieden, aber von den Student/-innen geliebt. Es ist Musik, die Spaß macht, treibend, laut, ein bisschen nerdy wegen der oft hinter Leichtigkeit versteckten rhythmischen Komplexität.

Das Debütalbum „Nachtblau“ jedoch klingt ruhiger, versonnener. Marc Mezgolits‘ E-Bass, der neben dem Posaunisten Lukas Reinert und dem Pianisten David Cogliatti zu Hoyers Quartett gehört, verweist noch am deutlichsten auf die Soundästhetik der Lehrjahre:

„Einige der Stücke stammen aus dem Umfeld meines Masterabschlusses und sind damals für größere Besetzung mit Trompete, Sax und Waldhorn entstanden. Ich habe die Musik auf Quartettversionen ausgedünnt und um einige Stücke ergänzt, die daraufhin entstanden sind. Nach dem vielen Fusion sollte alles ein wenig ruhiger klingen, deshalb sind viele Balladen auf dem Album. Und an die Posaune bin ich schon aus familiären Gründen gewohnt. Mein Bruder spielt Posaune, ich kenne den Sound einfach, und ich mag ihn, er ist der menschlichen Stimme sehr nahe. Außerdem wird von der Posaune bei Soli nicht so viel genudelt wie bei anderen Instrumenten. Diese Zurückhaltung kommt mir entgegen, denn ich versuche auch als Schlagzeuger, wenig zu spielen und der Musik und den anderen viel Raum zu lassen. Ich gebe das Fundament, ohne darüber auszubrechen.“

So dominieren die Melodien, außerdem das Gefühl der klanglichen Gemeinsamkeit und der harmonische Flow. Hoyers Jazz ist Musik des aktiven Verweilens. Die Seuche treibt die Wiese hinunter, die Metropole ist nebenan zu Gast. Und über Schopfheim öffnet sich nachtblau der Himmel.

Booking MaWeMarketing | Martina Weinmar

Text
Ralf Dombrowski
Foto
Jochen Müller

Veröffentlicht am unter 144, Heft, Next Generation