WDR Jazzpreis: Hanno Busch

Hanno BuschHanno BuschSeit 2004 vergibt der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seinen Jazzpreis. Den ursprünglich drei Kategorien „Improvisation“, „Komposition“ und „Ehrenpreis“ folgte 2006 eine für den Nachwuchs, bevor sich 2017 eine fünfte für die „Musikkulturen“ dazu gesellte, um dem stetig wachsenden Interesse nach Musiken der Welt gerecht zu werden. Anfangs wurde der WDR Jazzpreis im Funkhaus Köln verliehen, dann im Rahmen der WDR 3 jazz.cologne und später als Bestandteil des WDR 3 Jazzfestes, das zuerst verschiedene Städte in Nordrhein-Westfalen angesteuert hatte, bevor es eine Weile lang fix im beschaulichen Gütersloh in Ostwestfalen anlandete.

In dieser Zeit war dem WDR sein Jazzpreis noch etwas wert. Insgesamt 30.000 Euro an Preisgeldern bezahlte dieser dafür, um den Output der NRW-Jazzszene zu würdigen. Damit ausgezeichnet wurden zum Beispiel der Trompeter Matthias Schriefl, der Saxofonist Jens Böckamp, der Pianist Pablo Held, die Saxofonistin Christina Fuchs oder der Schlagzeuger Ramesh Shotham. Mit der Verrentung des WDR-Jazzredakteurs Bernd Hoffmann 2019 wurde dann nicht nur das WDR 3 Jazzfest abgewickelt, sondern auch der WDR Jazzpreis sukzessive „entkernt“. Von seinen einst fünf Kategorien sind nur zwei übriggeblieben: ein immerhin noch mit 10.000 Euro dotierter Hauptpreis und eine nicht dotierte Auszeichnung für eine Nachwuchs-Bigband aus NRW.

Mit dem Gitarristen Hanno Busch hat die Jury einen stilistisch vielseitigen und ästhetisch authentischen Gewinner 2026 ausgemacht. 1975 in Wuppertal geboren, studierte Busch Jazzgitarre in Hilversum und Amsterdam. Bis 2017 war er Gitarrist der Hausband von Stefan Raabs Fernsehshow TV Total, den Heavytones, zudem konnte man ihn als Sideman für Sasha, Bosse oder Max Mutzke hören. Er spielte unter anderem in der Band des Saxofonisten Niels Klein, tourte auch mit der NDR Bigband und gehörte für eine Weile Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass an. Auf dem eigenen Label Frutex Tracks erschien 2014 mit „Absent“ das erste Album seines Hanno Busch Trios, gefolgt von „Share This Room“ 2017. Für Ende März steht mit „Perspective“ ein neues Album an. Seit 2024 ist Busch Professor für Gitarre an der Abteilung Jazz/Pop der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Busch überzeuge mit seiner „herausragend gefühlvollen, frischen und kreativen Spielweise“, mit der er sich „mühelos zwischen Jazz, Rock, Blues, Pop und anderen Genres“ bewege, so die Meinung der Jury. Die Ehre, dabei sein zu dürfen, wird der Big Band der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln unter der Leitung des Saxofonisten Marcus Bartelt als Gewinnerin des Nachwuchspreises zuteil. Und auch diesmal wieder lässt WDR-3-Programmchef Matthias Kremin den WDR ebenso hochleben wie er die kreative Potenz der NRW-Szene lobt: „Mit seinem Jazzpreis würdigt der Westdeutsche Rundfunk seit über 20 Jahren das Spitzenniveau der regionalen Szene. Gleichzeitig wird aber auch die Bedeutung für Bildung und Nachwuchs und damit die Zukunft des Jazz in NRW unterstrichen.“

Preisverleihung und Preisträgerkonzerte finden am 27. März in der Festhalle Viersen statt. Busch wird dort mit der WDR Big Band unter der Leitung von Jörg Achim Keller auftreten, während die Big Band der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln einen raschen Überblick über ihr Schaffen gibt. Zuvor wird Busch mit dem Jazzpreis-Programm und der WDR Big Band auch noch im Kölner WDR Funkhaus (25.3.) und in der Gelsenkirchener Heilig-Kreuz-Kirche (26.3.) Station machen.

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Martin Laurentius
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Lutz Voigtländer

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