Das Wurlitzer Piano ist der herbe Bruder des Fender Rhodes. Sein Klang war immer schon etwas härter und perkussiver im Vergleich, weniger Glöckchen, mehr Erdung. Tobias Weindorf setzt ihn trotzdem stellenweise sanft und schwebend ein, ansonsten mit einem Hauch von Meister Corea im stilistischen Stammbaum. Das passt gut zu Philipp van Enderts klangfarbenreicher Gitarre und den Saxofonlinien von Rob Hall. Das Tret Trio changiert damit ohne Rhythmusgruppe zwischen transparenter Kammerästhetik und melodiöser Fülle, wenn beide Harmonieinstrumente in die Vollen greifen. Abwechselnd live und im Studio aufgenommen ist „Crow Jam“ ein Album zwischen den Klangwelten, melodisch fein und kommunikativ inspiriert. Und selten wurde ein Wurlitzer mit ähnlicher spürbarer Verehrung für die verborgene Vielfalt seines Klangs gespielt wie von Weindorf.
Text
Ralf Dombrowski
Ausgabe
, Jazz thing 161
Veröffentlicht am 19. Jan 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews
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