Fünf Kilo wiegt sie, 198 Euro kostet sie. Ein richtig fettes Stück also für Liebhaber, auf 500 Stück limitiert, auch eine probate Einstiegsdroge für solche, die sich bislang immer erfolgreich gegen die Sammelsucht wehren konnten. Sie birgt visuelle, akustische und haptische Erinnerungen an einen, der schon zu Lebzeiten mit seinen 2,05 Metern und seinen bunten Gewändern von niemandem übersehen werden konnte. Dasselbe erhofft sich nun das Freiburger Label In+Out für die anlässlich des 100. Geburtstages von Randy Weston liebevoll kuratierte Box. Doch weil bei Randy Weston nie Quantität vor Qualität ging, sollte auch die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Jazzmäzen Jaques Muyal konzipierte Schatztruhe etwas Einzigartiges werden, das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dem 2018 verstorbenen Pianisten und Komponisten gefallen hätte. Wer sich in der digitalen Gegenwart noch auf eine analoge Zeitreise einlassen möchte, der bekommt neben einer blauen Tasche aus veganem Leder eine eingearbeitete, vom Protagonisten persönlich entworfenen Messingmedaille, ein vierseitiges Booklet sowie drei bislang unveröffentlichten Livealben auf Vinyl und CD miteingepackt. Und das wirklich Schöne: Die Musik Westons spielt trotz des sündteuren Glanzes tatsächlich noch die Hauptrolle, auch weil sie in einzelnen Tonträgern angeboten wird. Seine Rückkehr nach Brooklyn 1985, wo der Pianist das Licht der Welt erblickte, ging mit einem Konzert in der Brooklyn Academy Of Music einher, für das er ein Traumensemble mit Tänzern, Sängern sowie einer illustren Big Band unter Leitung seiner musikalischen Schwester Melba Liston zusammenstellen durfte. Im selben Jahr ging der Hüne ebenfalls mit großem Ton-Besteck nach Montreux, während es 1988 zum Treffen mit seinem jamaikanischen Tastenkollegen Monty Alexander kam. Bei allem blitzt sich Randy Westons eigentliches Verdienst klar hervor: Jazz ist nicht nur eine amerikanische Kunstform, sondern ein lebendiger Dialog zwischen Kontinenten, Geschichten und Identitäten. Schon allein deshalb lohnt sich jeder Cent für diese Erinnerung.
Text
Reinhard Köchl
Veröffentlicht am 19. Mrz 2026 um 08:00 Uhr unter Reviews