Ashley Henry

Mühelos durch die Jahrhunderte

Künstler aus HipHop, Pop und Jazz – sie alle lieben diesen 27-Jährigen.

Ashley Henry (Foto: Max Fairclough)

Der international für seine reflektierten Texte gefeierte Rapper Loyle Carner setzt ihn ans E-Piano, der französische Popstar Chris von Christine and the Queens tourte mit ihm durch große Arenen und bezeichnete ihn als „Beats Futurist“ – er sei der ultimative Pianist. Und der Chicagoer Drummer Makaya McCraven ließ ihn schon 2017 an seinen „London Sessions“ teilhaben.

Die Rede ist von Ashley Henry. Der Brite, „born and raised in South London“, Absolvent der Royal Academy of Music („Es war cool, sich dort als einer der wenigen schwarzen Musiker beweisen zu müssen.“), sieht sich nicht zuletzt ob seiner Abstammung in der Pflicht – seine Eltern wanderten aus Jamaika ein.

„Meine Musik spiegelt direkt wider, wer ich bin. Da ist natürlich London – seit Langem so gemischt, wie man es sich nur vorstellen kann. Der Einwanderer in mir hat musikalische Wurzeln, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Es ist wichtig, dass meine Musik heute die Geschichte des Jazz über verschiedene Genres und Generationen hinweg in sich trägt.“

Eine Historie, die für den jungen Pianisten keine Bürde ist.

Henrys Debüt „Beautiful Vinyl Hunter“ (Sony) ist eine Ode an den neugierigen Plattensammler, der sich mehr als je zuvor Musik aus verschiedenen Jahrzehnten widmen kann. Eine Ode an die Vielfalt des Jazz. Das Album featuret den relaxten Old-School-Rap von MC Sparkz auf „Between The Lines“ genauso wie das von einem Streichquartett untermalte Crooning von Milton Suggs („I Still Believe“), das an den Soul-Pop eines Gregory Porter erinnert. Das US-Talent Judi Jackson sorgt für klassischen Jazzgesang; „Introspection“ zelebriert die Art von zurückgenommenem R & B und Soul Jazz, wie sie derzeit viele Londoner erfolgreich praktizieren.

Und über allem fliegt das herrlich leichte Klavierspiel des Leaders. Man höre nur die famose Up-Tempo-Version von Solange Knowles‘ „Cranes (In The Sky)“, in der Henrys Flügel mit der Mühelosigkeit eines Ahmad Jamal die Gesangslinie des US-Stars nachahmt. Und schon weiß man, was die Kritiker meinen, die schreiben: Der Typ spielt wie einer mit sehr viel mehr Erfahrung.

Jazz thing präsentiert:
Ashley Henry
10.11. München, Orange Club
11.11. Berlin, Badehaus
12.11. Hamburg, Häkken
14.11. Heidelberg, Leitstelle (Enjoy Jazz)

Text
Jan Paersch
Foto
Max Fairclough

Veröffentlicht am unter Live things