Caecilie Norby & Lars Danielsson

Die Musik ist der Boss

Es ist eine wohlfeile Phrase des Musikjournalismus, aber in diesem Fall stimmt sie: Auf das Album „Just The Two Of Us“ (ACT/edel) haben viele Fans von Caecilie Norby und Lars Danielsson lange gewartet, denn das Paar, das auch privat verbandelt ist, macht zwar schon seit Jahren zusammen Musik – aber ein reines Duoalbum hat es noch nie von den beiden gegeben.

Caecilie Norby & Lars Danielsson

Der schwedische Bassist und Cellist Lars Danielsson ist schon lange Produzent und musikalischer Partner fast aller Projekte seiner Frau Caecilie Norby. Das Gefühl, die private Beziehung im Studio oder auf der Bühne fortzusetzen, kennen die beiden sehr gut. „Wir haben aber nie den Eindruck, dass der Eine der Boss des Anderen ist“, sagt die dänische Sängerin, und ihr Mann ergänzt: „Die Musik ist der Boss.“ Und doch ist „Just The Two Of Us“ eine Platte, zu deren Produktion die beiden sich erst mühsam durchringen mussten.

„Es war ein langer Prozess. Wir haben wirklich sehr viele Konzerte zusammen gegeben, aber es brauchte Zeit, bis wir das Gefühl hatten, jetzt ins Studio gehen zu müssen. Ich bin glücklich, dass wir uns endlich entschlossen haben“, sagt Danielsson. „Wir haben die Idee dieses Duoalbums wirklich jahrelang mit uns herumgetragen“, bestätigt Caecilie Norby. „Aber da wir gleichzeitig auch eine Familie sind, haben wir eine Menge anderer Dinge zu tun, wenn wir zu Hause sind. Es braucht Kraft, sich bewusst dafür zu entscheiden, dass man jetzt professionell Musik zusammen macht. Wenn es dann endlich so weit ist, geht alles ziemlich schnell, auch aus dem Gefühl heraus, dass wir nicht viel Zeit haben. Alles in allem haben die Sessions ungefähr vier Tage gedauert.“

13 Songs haben es auf das Album geschafft, darunter neue Fassungen von bekannten Stücken von Lars Danielsson wie „Pasodoble“ oder „Liberetto“, aber auch neue Stücke wie „Cherry Tree“, auf dem Danielsson Gitarre spielt, oder Klassiker von Abbey Lincoln („Supposed To Be Love“) und Leonard Cohen („Hallelujah“). „Für mich ist es sehr schön, dass wir ein Lied von Carl Nielsen dabeihaben“, ergänzt Danielsson, „denn ich habe noch nie etwas von ihm aufgenommen, dabei hat mich seine Musik sehr beeinflusst. Als Kind habe ich sie immer auf dem Klavier gespielt.“

Eröffnet wird das Album mit einer überwältigend schönen Fassung von Joni Mitchells „Both Sides Now“, das die beiden seit Langem im Repertoire haben. „Mit ‚Both Sides Now‘ haben wir so oft unsere Konzerte eröffnet, dass wir uns gar nicht mehr sicher waren, ob wir uns im Studio überhaupt wieder auf dieses Lied einlassen können“, sagt die Sängerin. „Aber irgendwann hatten wir den inneren Reset-Schalter umgelegt, und es hat geklappt. Deshalb bin ich auf ‚Both Sides Now‘ auch so stolz, denn es ist sehr schwer, einem Stück noch eine gültige Interpretation abzuringen, das man gefühlt schon eine Million Mal gespielt hat.“

Warum sie sich musikalisch so gut ergänzen, ist für Caecilie Norby kein Geheimnis. „Wir haben künstlerisch das gleiche Ziel und unsere Einflüsse sind sehr ähnlich“, meint sie. „Wir lieben beide schöne Akkorde, die auch gern ein bisschen kompliziert sein, aber niemals die Melodie verraten dürfen. Außerdem haben wir neben Jazz beide Erfahrungen in Pop und klassischer Musik. Es macht uns Spaß, mit dieser Mischung herumzuspielen.“

Die gegenseitige Vertrautheit lässt die Musik auf „Just The Two Of Us“ wie aus einem Guss erscheinen, obwohl das Album eine Menge musikalischer Stile streift. Bei der gemeinsamen Arbeit ist aber beileibe nicht alles eitel Sonnenschein.

„Natürlich ist das ein Balanceakt, wenn wir zusammen ins Studio gehen“, bestätigt Lars Danielsson. „Wir sind durchaus in der Lage, uns gegenseitig zu kritisieren, achten gleichzeitig aber darauf, dass das nicht überhandnimmt. Denn sonst macht man als Musiker zu. Aber wenn jemand eine Idee hat, auf die ich von alleine nicht gekommen wäre, bin ich grundsätzlich offen – ob die jetzt von Caecilie oder jemand anderem kommt.“

Ehe und Familie bleiben draußen, sobald die Studiotür geschlossen ist. „Ich habe gar nicht das Gefühl, dass ich Musik mit meiner Frau mache“, beschreibt Lars Danielsson diesen Prozess. „Ich mache Musik mit einer Sängerin, die ich toll finde.“ Und auch die Gemahlin pflichtet dieser Erfahrung bei. „Dass wir ein Paar sind, tritt tatsächlich völlig in den Hintergrund“, meint sie und hat auch gleich ein konkretes Beispiel parat. „Erst vor Kurzem wollte der Fotograf, dass wir auf einem Bild intimer wirken, und das kam mir zuerst völlig absurd vor. Ich musste mir richtig in Erinnerung rufen, dass ich mit Lars ja auch privat zusammen bin.“

Text
Rolf Thomas
Foto
Sebastian Pranz

Veröffentlicht am unter 110, Feature, Heft
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