ELBJAZZ 2018

Céline Rudolph & Lionel Loueke

Fünf Wochen im Ballon

Die Berliner Sängerin Céline Rudolph deckt leichtfüßig ein weites Areal von Timbres, Idiomen und Klangfarben ab. Gemeinsam mit dem Gitarristen und Weltenbummler Lionel Loueke bricht sie nun auf „Obsession“ (Obsessions/Membran) zu einer Reise der besonderen Art auf. Céline Rudolph & Lionel Loueke (Foto: Joachim Gern) Man fühlt sich in diesen intimen Dialogen, in denen ebenso viel gesagt wie weggelassen wird, wie fünf Wochen im Ballon, hoch über allem Irdischen, doch die Erde immer im Blick. Ausgerechnet in einem Lokal namens „Jules Verne“ erzählt die Songpoetin von diesem besonderen Gleitflug. Der hat zwar einen gemeinsamen Ausgangspunkt, und doch führt er ohne feste Zielvorstellungen über Europa, Afrika, Nord- und Südamerika. Wie hatten die Sängerin und der Gitarrist ihr Navi für diesen Trip eingestellt?

„Diese Frage hat sich gar nicht gestellt“, rekapituliert Céline Rudolph. „Das ist, als würde man sich einfach so erkennen. Wir hatten voneinander Musik gehört. Während einer Tour trafen wir uns zu einer Session. Jeder hatte ein paar Stücke mitgebracht. Egal, was ich rausholte, es klang auf Anhieb stimmig. Das war magisch. Lionel sagte, er hätte das Gefühl, ich sei seine Version in weiblich.“

Sie seien aus dem Meer an Land gespült worden, und was immer nun daraus werden würde, sei etwas Gemeinsames, denn sie kämen ja aus demselben Meer. Schön formuliert, denn in der Tat lässt sich beim Hören kaum auseinanderklamüsern, wer welchen Beitrag leistet. Nicht selten scheint Loueke auf den Saiten zu singen und Rudolph an den Stimmbändern zu zupfen. „Egal, ob es sich um Latin, Jazz oder Afrikanisches handelt, das Meer erreicht eben alle Ufer“, bleibt die Berlinerin im Bild.

„Wenn wir uns die Musik nach den Aufnahmen anhörten, wussten wir manchmal nicht mehr, wer was gemacht hatte. Und da wir nur wir zwei sind, haben wir die Chance, am Ende sehr individuell zu klingen. Wenn Lionel Gitarre spielt, singt er ja auch, und ich bin als Kind mit der Gitarre aufgewachsen. Ich wollte den Sound dieser Gitarre auf der Platte haben, und deshalb spielt er zuweilen meine klassische Gitarre. Wir haben also zweimal Stimme und Gitarre, die sich in beiden Fällen ganz früh und ganz eng miteinander verbunden haben.“

So wie auch ihre Lieder auf „Obsession“. Jazz thing präsentiert Céline Rudolph & Lionel Loueke 14.01. Hamburg, Stageclub 16.01. Berlin, A-Trane 17.01. Innsbruck/A, Treibhaus 18.01. Hallein/A, Stadttheater 19.01. Stuttgart, Bix

Text
Wolf Kampmann
Foto
Joachim Gern

Veröffentlicht am unter Live things

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