(Igloo/Galileo MC)
Wer einmal über einen fest zugefrorenen See gelaufen ist,
der weiß, zu was für rätselhaften Geräuschen
eine Eisfläche fähig ist. Das klingt nach Klopfen, Knacken,
seltsamen Sounds aus einer anderen Welt und kann den Flaneur in
eine sphärische, weltferne Stimmung versetzen. Den norwegischen
Perkussionisten Terje Isungset faszinieren diese vergänglichen
Töne derart, dass er sich auf Musik mit Instrumenten aus Eis
spezialisiert hat. Für sein zweites Fröstel-Album Igloo
hat er sich die Sängerin Sidsel Endresen als Partnerin an seine
Seite geladen. Gemeinsam mit der skandinavischen Grande Dame der
Avantgarde konstruiert er eigenartige Gebilde aus Klang, mehr Performances
als klare Stücke und Kompositionen. Er bläst in, schlägt
auf, streicht an Eiszapfen, ergänzt diese Installationen um
Atem- und Stimmgeräusche, und so entstehen akustische Phantasmagorien
des hohen Nordens, ein bisschen überdreht, aber außergewöhnlich
genug, um konkurrenzlos zu sein.
Ralf Dombrowski, Jazz thing 63
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