(Ozella/in-akustik)
File Under: Arabic Fusion Jazz steht auf dem Beipackzettel,
doch ganz so einfach ist das nicht mit einer Rubrik für diese
elektrische und elektrisierende, nahöstliche und dennoch keinesfalls
dem Westen ferne Musik. Auf vielfältige und vor allem sehr
sinnliche Weise steht sie dazwischen: zwischen Electro und Acoustic,
zwischen harsch und meditativ, zwischen Hochgeschwindigkeit und
Vollbremsung, zwischen Gestern und Heute. Schon in der Biografie
des 35-jährigen Gitarristen Michel Sajrawy sind die Gegensätze
gebündelt: Der in Nazareth Geborene wuchs als christlicher
Araber mit israelischem Pass auf, fühlte sich aber als Araber.
In seinem festen Quartett gibt es neben ihm Oud, Bass und Schlagzeug
und für diese Debütplatte noch diverse Streicher und Perkussionisten.
In der Summe entfaltet das 1001 Macht, ist griffig, schwelgerisch
und hoch emotional. Es ist exotisch, aber nicht fremd. Das spannt
ohne eklektizistische Kleisterei seinen Bogen von Oud Of This World
hin zu Mahavishnu-Artigem. Die neun Eigenkompositionen Sajrawys
bleiben schön transparent. Father heißt ein
Stück, das beiläufig Hendrix zitiert und dann ganz unbeflissen
in eine große Dramaturgie zurückschwenkt. Deren Titel
Yathrib steht für Medina, die fruchtbare Oase östlich
vom Roten Meer, wo sich die Kulturen verbanden. Ein stimmiges Programm,
das diese detailpralle, beseelte und kurzweilige Musik mit Leben
füllt.
Ulrich Steinmetzger, Jazz thing 62
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