(ECM/Universal)
Fasil will sehr viel: die Geschichte von Aisha, Mohammeds jüngster Frau, nachempfinden, dazu Brücken schlagen von okzidentaler zu orientalischer Musik, von der klassischen Tradition eines Heinrich Ignaz Franz Biber zur Offenheit des freien und reinen Klangs, von der historischen Aufführungspraxis zur Klangvorstellung des kammerjazzenden Ästhetizismus. Das Album nimmt Bezug auf die armenisch-türkisch-deutsche Herkunft Marc Sinans, baut auf Julia Hülsmanns fein fließende Motivik, interpretiert Koransuren und islamische Mystik, christlichen Humanismus und Joseph Roths Künstlerethik, verknüpft die gitarristische Spieltechnik des Eliot-Fisk-Schülers und die improvisierende Erfahrung der Berliner Rhythmusgruppe, vereint den ätherisch schwelgenden und seelenvoll knospenden Gesang von Yelena Kuljíc mit einer Prise Viola-Tönung durch Lena Thies, das Ganze vor dem Hintergrund neoromantischer Klangpilgerschaft. Fasil will sehr viel und birst beinahe vor Bedeutung. Es ist eine anspruchsvolle Variante intellektueller improvisationsgetönter Migrantenmusik, deren allumfassender Humanismus der Leichtigkeit jenseits des Konzepts zuweilen im Wege steht.
Ralf Dombrowski, Jazz thing 78
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