(ECM/Universal)
Das Leise und das Laute. Ein Bandoneon und ein Schlagzeug. Wenn
es nicht Dino Saluzzi und Jon Christensen wären, dann geriete
eine Harakiri-Kombination wie diese schon vom Ansatz her zur veritablen
Peinlichkeit. Doch bei ECM funktionieren solche kleinen Klangwunder
noch. Und das Resultat der Kollaboration des Argentiniers und des
Norwegers, deren Pole kaum weiter auseinander liegen könnten,
belehrt alle Zauderer und Skeptiker eines Besseren. Spätestens
nach Senderos (Wege) dürfte jedem klar sein, dass
Saluzzi längst keine Tango-Nuevo-Klischees mehr bedient. Sein
Bandoneon schwimmt wie Treibholz - bereit, überall anzudocken,
sich symbiotisch weiterzuentwickeln. Das Unvorhergesehene wird zum
Impuls. Und Christensen begnügt sich nie mit der Rhythmus-Funktion:
Sein Drumming ist Musik und in Verbindung mit dem schnaufenden Blasebalg,
dessen heißem Atem ein Sammelsurium an seltsam flirrenden
Erzählungen entströmt, ein Abenteuer. Manches entfaltet
sich erst durch die unverstellte Spontaneität, mit der beide
zu Werke gehen. Dabei entsteht eine ungeheuer intensive Atmosphäre.
Das Werk zweier lautstarker Leisetreter.
Reinhard Köchl, Jazz thing 58
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