(FullFat/www.fullfat.de)
Natürlich verderben mehrere Köche den Brei. Aber diese
zwei können wirklich kochen. Und sie können vor allem
miteinander. Der Bassist, Gastrojournalist und Jazz-thing-Hausgourmet
Dieter Ilg sowie der Altsaxofonist, Dauerbrenner und Chef-Verfeinerer
Charlie Mariano haben mit ihren erlesenen Menüs für die
Vorgängeralben À La Carte und Eisenhans
bereits bewiesen, dass wenig unendlich viel sein kann. Kein Cayennepfeffer
in Form einer scharfen Trompete, keine als Honig getarnte, dickflüssige
Orgel. Nur Salz und Pfeffer. Due ist ein Duo auf einer
Doppel-CD, wie sie asketischer und reichhaltiger an Eindrücken,
Emotionen und Erlebnissen kaum sein könnte. Keine Kopfmusik.
Keine dieser plakativ fragilen Zehenspitzengänge, denen gerne
das Etikett Kammerjazz aufgepappt wird. Eher ein selbstverständliches,
genetisch kompatibles Miteinander von Gegensätzen. Der 82-jährige
Italo-Amerikaner: extrovertiert, ein Ausbund an Kompetenz, technischer
Brillanz und musikalischer Fantasie. Der 43-jährige Breisgauer:
introvertiert, konkurrenzlos versiert und sensibel. Bei Savannah
Samurai, On The Trail oder Goodbye Pork
Pie Hat spielen Hirn und Gaumen auf transzendenter Ebene miteinander.
Aber erst Vesti La Giubba, der überraschende Exkurs
in die italienische Oper, durchstößt eine Tür zu
neuen Ausdrucksformen, zu reinen, sinnlichen Empfindungen. Große
Musik auf kleiner Flamme. Der schiere Genuss.
Reinhard Köchl, Jazz thing 58
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