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Blue Rhythm 34
nummer 34
sommer 2007

Jazz thing news  

Gestorben: Joe Zawinul

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27.09.2007
20.09.2007
13.09.2007

Joe ZawinulEr trank gerne Slivovitz und aß am liebsten Backhendl. Zum Ausgleich boxte er oder schwamm. Vor fünf Jahren, als man seinen 70. Geburtstag im großen Stil vorfeierte, kam der damalige österreichische Bundespräsident Thomas Klestil, mit dem Joe Zawinul schon seit der gemeinsamen Schulzeit befreundet war, zur Feier ins Rathaus und der Wiener Oberbürgermeister überreichte dem Pianisten den Goldenen Ring der Stadt. Wenn Zawinul in seiner Heimatstadt war, wohnte er in einer luxuriösen Hotel-Suite mit Blick auf jenen einst sehr armen Vorstadtbezirk, wo er aufgewachsen war. Als er vor zwei Monaten 75 wurde, winkte er ab: Keine große Sache.

Der Mann konnte erzählen. Bis zuletzt schöpfte er aus dem vollen. Von Richard Bona zu Salif Keita, von Weather Report zu Miles Davis. Das erste längere Engagement hatte er bei der Sängerin Dinah Washington.

„Ich ging ja 1958 nach Amerika, weil ich lernen wollte. In Wien war für mich nichts mehr zu holen. Ich habe dann in der schwarzen Community gelebt, eine schwarze Frau geheiratet, mit ihr eine Familie gegründet und in schwarzen Bands gespielt. Und ich habe weiße Menschen wirklich gehasst zu der Zeit - als ich nach Amerika kam, gab es ja noch Rassentrennung. Doch wenn ich im Süden gespielt habe, war es ganz selbstverständlich, dass ich bei Schwarzen wohnte. Die haben mich behandelt wie einen König. Man konnte in ihren Häusern vom Fußboden essen, sie haben ihre Kinder gut erzogen, das war alles sehr okay. Einmal hatte ich mit Dinah Washington einen Auftritt in Odessa, Texas, das Haus war ausverkauft, es war ein schwarzes Haus und der Besitzer war Schwarzer. Da wollte mich eine weiße Polizistin daran hindern, auf die Bühne zu gehen, und Dinah sagte, dass sie dann auch nicht singen wollte, und so sind wir durch die Hintertür raus. Die Leute haben den Laden zertrümmert, so war das damals,“

berichtete Zawinul im Interview in seiner Heimatstadt, als dort vor drei Jahren sein Jazzclub Birdland eröffnete. „Birdland“ hieß auch eine Zawinul-Komposition, mit der seine Band Weather Report sehr erfolgreich wurde.

Zwischen 1961 bis 1970 komponierte Zawinul für die Cannonball Adderley-Band die großen Hits des schwarzen Jazz, und Miles Davis, der Zawinul mit dessen Komposition „In a silent way“ später abwerben sollte, beneidete Cannonball für sein schwarzes Publikum. Zawinul war damals der einzige Weiße in der Adderley Band gewesen, das brachte dem Bandleader allerdings auch Kritik von Seiten der Black Muslims ein. „Später habe ich dann auch viele Weiße kennen gelernt, die für die Gleichberechtigung und gegen den ganzen rassistischen Dreck gekämpft haben,“ sagte Zawinul.

Nur selten ist die Übereinstimmung von sozialem Engagement und Jazz so gelungen dokumentiert worden wie auf der Adderley-Platte „Country Preacher. Live at Operation Breadbasket“. Die Komposition „Country Preacher“ hatte Zawinul damals seinem Freund Jesse Jackson gewidmet. Mit „Mercy, Mercy, Mercy“ schrieb Zawinul 1966 für die Adderley Band einen Top Ten Hit und eine Soul-Hymne für das E-Piano, damals spielte er es auf einem elektrischen Wurlitzer Piano. „Als der damalige Weltmeister im Hochsprung, John Thomas, das Intro hörte, sagte er „Mercy, Mercy, Mercy“, und so kam es zu dem Titel,“ erzählte Zawinul. „Es war dann für lange Zeit unser Erkennungsstück, es wurden damals allein über eine Million Singles mit dem Stück verkauft. Der Lebensstil meiner Familie hat sich daraufhin verändert, aber nicht der Charakter.“

Anfang August wurde Zawinul jäh aus seiner regen Tourtätigkeit gerissen. Seine Frau war unlängst verstorben, jetzt musste er ins Krankenhaus. Man solle sich nicht sorgen, ließ Zawinul noch verkünden: Keine große Sache. Neue Tourneepläne wurden bereits besprochen, man dachte, dass er im Herbst wieder auf der Bühne stehen würde. Doch die Diagnose Hautkrebs konnte nicht entkräftigt werden. Am frühen Morgen des 11. September starb Joe Zawinul im Wiener Wilhelminenhospital.

Zusammengestellt von Stefan Broeckingund Axel Stinshoff.

 
Gestorben: Joe Zawinul