Irisches Soulfood

Landpartie mit Werner Seifert, Karsten Jahnke und Tom Glagow

Sich für den Winter ein paar Pfunde mehr zuzulegen ist eine durchaus sinnvolle Sache, schützt Fett doch auch vor Kälte und bildet eine Art körpereigene Vorratskammer. In Irland, Heimat guter Milch und Butter, frönte eine illustre Runde dem Genuss auf Vollfettstufe. Werner Seifert, Ex-Chef der Deutschen Börse und Organist, hatte unseren Chef-Gourmet Dieter Ilg nebst Karsten Jahnke, Deutschlands wohl engagiertestem Jazz-Konzertveranstalter, und Tom Glagow, Labelchef der C.A.R.E. Music Group, in sein Landhaus nach Cork eingeladen.

Werner Seifert, Dieter Ilg, Karsten JahnkeSo wie die Castor-Behälter mit dem strahlenden Atommüll schon immer oberirdisch im wendländischen Gorleben lagern, so türmt sich der ein oder andere Butterberg in europäischen Kühlhallen. Und jetzt strahlen viele Verbraucher: Darunter dürfte auch eine streichzarte irische sein, die augenscheinlich in deutschen Supermärkten mit europäischer Hilfe billiger angeboten wird als die meines Nachbarn auf dem Bauernhof. Der Käufer spart kurzfristig kleines Geld. Irgendjemand macht hier aber das große Geld. Auf Kosten der anderen, logisch. Nix Neues also. Was ist schon neu?

Man klagt neuerdings überraschenderweise über Korruption innerhalb der FIFA, als sei das nicht schon jahrzehntelang ein Thema bei den Sportverbänden. Man wundert sich über einen Schlichterspruch zu Stuttgart 21 und einen Heiner Geißler als Trojanisches Pferd, während zugleich die schwäbische Metropole als eine der Hochburgen der italienischen Mafia gelten soll. Vetterleswirtschaft und Turbokapitalismus allerorten. Und das ist die kleine Überraschung: Es gibt noch Steigerungen hinsichtlich Dreistigkeit. Aber lassen wir einmal die Butter bei den Fischen und tauchen in die Welt wellenbewegenden, irischen Sommerlichts. Kein Butterfisch in Sicht.

QuicheKaum treffen wir auf Werner Seiferts Anwesen ein, wackeln tierische Wesen mit ihren Schweifen und Schwänzen. Pferde, Esel und Hunde, letztere auf Zack mit großem Streichelbedürfnis für angemeldete Fremde. Nun, zuerst einmal zum Five-o‘clock-Tea einen Kaffee, frei im irischen Widerstand gegen Großbritannien. Dazu servieren Werner und seine Frau Barbara drei unterschiedliche Quiches vom lokalen Metzger. Grundsolide, wie der irische Traummetzger nun einmal zu sein scheint, hat dieser sogar seine eigene Rinderherde. Die Quiches allerdings bezieht er von einer älteren Dame, die ihr Leben lang nichts anderes gemacht haben soll außer backen… Warum also sollte der Metzger seine eigenen Quiches machen, wenn es bereits jemanden gibt mit dieser extraordinären Meisterschaft? Ein Auftakt wie aus dem Bilderbuch. In der Ferne winkt die erste Meeresbucht.

Und wer findet, der sucht. Orgelmann Werner zeigt eindeutige Affinitäten zum Lokalen. Seine neueren Projekte sind Erdwärme und Tidenkraftwerk vor Ort. Nun, Tom Glagow, Labelchef der C.A.R.E. Music Group, und Fotoknipser Steve Haberland lauschen den Ausführungen des ehemaligen Chefs der Deutschen Börse.

Es hupt, Karsten Jahnke ist mit seiner Gattin namens Girlie wohlbehalten nach langer Autofahrt angekommen. Ein Himbeersahnekuchen aus Frauenhand schwebt ins Haus. Sahne wird frisch geschlagen…

Text
Dieter Ilg
Foto
Steven Haberland

Veröffentlicht am unter 87, Jazz cooks
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