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Jazz Lights 2010
 
   
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Jazz thing & Blue Rhythm
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Jazz thing. features

features jazz cooks
Wanja Slavin
Larry Carlton
Gretchen Parlato

Nummer 82
Wanja Slavin. Schmucke Schleifen
Ein Debüt mit reichlich Anlaufschwierigkeiten: Eine kleine Ewigkeit dauerte es, bis der Berliner Altsaxofonist und Klarinettist Wanja Slavin sein vor deutlich über zwei Jahren gezeugtes Baby endlich in den Händen halten durfte..
Text und Foto: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 81
Larry Carlton. Alles können, nichts müssen
Mit seiner nonchalanten Art, nur das Nötigste zu spielen, prägte er unzählige Alben ganz unterschiedlicher Stilistik. Inzwischen hat Larry Carlton sein eigenes Label: 335 Records, benannt nach seiner Gibson ES 335, die ihn auf mindestens 80 Prozent aller Aufnahmen begleitet hat. Zum Auftakt präsentiert er gleich zwei Alben: eines live im Quintett mit Robben Ford, für das andere hat er im Studio neun seiner Klassiker neu eingespielt. Viel Larry Carlton also in diesem Herbst.
Text: Ralf Dombrowski

 

Nummer 80
Gretchen Parlato. Die Gretchenfrage
„Es wird Zeit, dass ich endlich nach Deutschland komme. Immerhin sprechen mich die Leute dort richtig aus.“ Gretchen Parlato kann ein Lied über die mannigfaltigen Betonungsvarianten ihres Vornamens singen. Als Liebchen von Goethes Faust steht dieser nicht nur für ein Stück teutonischen Kulturerbes.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 79
Micachu. Ramponierte Schönheit
Was Mica Levi alias Micachu, gerade mal Anfang 20, über den vor ihr geschätzten amerikanischen Avantgarde-Komponisten Harry Partch doziert, trifft in gewisser Weise auch auf sie zu. Ihr Debütalbum „Jewellery“ (Rough Trade/Indigo) und die Konzerte mit ihrer Band The Shapes gehören zum Spannendsten, was es derzeit in Sachen Leftfield-Pop gibt.
Text: Guido Halfmann

 

Nummer 79
Kitty Hoff. Blue Note goes Germany!
Im Jahr 70 entdeckt das legendäre amerikanische Plattenlabel plötzlich sein Wurzelwerk, gründet einen eigenen deutschen Ableger und schließt damit den ehedem begonnenen magischen Kreis. Denn immerhin stammen Alfred Lion und Francis Wolff ja aus Berlin – genauso wie Kitty Hoff.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 78
Tom Harrell. Der Allerbeste.
Zu den Lieblingen von Jazz thing gehört er schon lange, in den Jahrescharts der Mitarbeiter landen seine Alben immer auf den vorderen Plätzen. Mit seiner neuen CD „Prana Dance“ (High Note/ZYX) ist dem amerikanischen Trompeter Tom Harrell erneut ein packendes und dichtes Meisterwerk des zeitgenössischen Jazz gelungen.
Text: Rolf Thomas

 

Nummer 77
Antony and the Johnsons. Ein sicherer Ort.
2005: Antony Hegarty veröffentlicht „I Am A Bird Now“, das zweite Album mit seiner Band Antony and the Johnsons. Mit engelsgleicher Stimme singt Antony zu elegischen Klängen zwischen Soul, Blues, Gospel und Kammermusik. Die Kritiker überschlagen sich mit Lobeshymnen, das britische Gay-/Lifestyle-Magazin „Attitude“ nennt das Album schlicht „das schwulste Ding, das jemals aufgenommen wurde“. Schließlich wird das Album der New Yorker Band sogar mit dem renommierten Mercury-Preis ausgezeichnet, der eigentlich britischen Künstlern vorbehalten ist.
Text: Michael Tschernek

 

Nummer 76
Jackson Browne. Ticket nach Kuba.
Für Publicity dieser Güteklasse hätte manch anderer Kollege womöglich ein Vermögen auf den Tisch geblättert. Jackson Browne jedoch kam eher die Galle hoch, als er erfuhr, dass die Republikaner einen Fernsehspot für John McCain mit seinem 1977er Hit „Running On Empty“ (Fahren auf Reserve) garnierten. Obwohl der in Heidelberg geborene und zuletzt nur noch sporadisch auftretende Rockbarde plötzlich wieder in den Schlagzeilen landete, verklagte Browne McCain und forderte 75 000 Dollar wegen Imageschädigung. „Das musste ich einfach tun“, rechtfertigt sich einer der politischsten Singer/Songwriter Amerikas, „denn McCain ist nun wirklich nicht der Typ, den ich gerne im Weißen Haus sehen würde.“
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 75
Jun Miyake. Schein ist Sein.
Alle reden von Migration. Jun Miyake macht Kunst daraus. Oder zumindest etwas, das in diese Richtung geht. Seine Musik ist eine Mischung aus Kitsch und Klangvisionen, Design und Distanz, in eigenartiger Schönheit abgekoppelt vom laufenden Diskurs des Glokalistischen und zugleich dessen klare und individualistische Einlösung. Miyake ist ein famoser Camoufleur, eine Art Modeschneider für Musikgewänder, und nennt seine im Oktober erscheinende, mit Kollegen wie Arto Lindsay und Vinicius Cantuaria zusammen entwickelte Kollektion „Stolen From Strangers”.
Text: Ralf Dombrowski

 

Nummer 74
Tim Hagans. Sprachkünstler.
Reisen bildet. Und erweitert den Horizont. Dass Tim Hagans bei seinen Auslandsaufenthalten nicht nur auf Englisch mit den Menschen kommuniziert, hat ihm bereits jede Menge Pluspunkte eingebracht. Jetzt zeigt der nach allen Seiten offene Grenzgänger auch, welch brillanter Trompeter in ihm steckt, selbst wenn die musikalischen Höhenflüge inzwischen wieder „down to earth“ über die Bühne gehen.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 73
Vijay Iyer. Indisch für Anhänger.
Als die USA Mitte der 60er Jahre ihr Einwanderungsrecht änderten, schwappte eine Immigrationswelle aus Südasien ins Land, die auch die Eltern des Pianisten Vijay Iyer in die Neue Welt spülte. Ihr Filius wuchs in einer indischen Community in Rochester, upstate New York auf.
Text: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 73
Paul Brody. Traumgestalten.
Nun neigt Paul Brody nicht zu Verklärungen. Im Gegenteil, der künstlerische Lebensweg des Trompeters aus San Francisco zeugt von sachdienlichen Entscheidungen und klarer Linie.
Text: Ralf Dombrowski

 

Nummer 72
Marcin Wasilewski. Mut zum Namen.
Heimat ist da, wo es guttut. Wo man sich nicht verstellen muss, Familie und Freunde trifft, zu den alten Plätzen zurückkehrt. Keine Hektik und bis dato auch keine Interviews. Aber Marcin Wasilewski kann in der vertrauten Umgebung im polnischen Koszalin sowieso viel unbeschwerter plaudern. Über seinen rasanten Karriereverlauf, die neue CD und das ganze Hin und Her, bis sein Trio endlich nicht nur „Trio“ hieß.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 72
Ledisi. Als Indie beim Major.
„Mache ich euch Angst? Ich hoffe doch!“, grinst Ledisi von der Bühne des Admiralspalasts in Berlin. Stolz steht sie da, in einem Kleid, das so kurz und luftig ist, dass man bei jeder ihrer tanztheatralischen Bewegungen meint, es würde ihr gleich über den Kopf wehen. Im nächsten Moment scattet und beatboxt, schreit und flüstert, gurrt und grummelt sie wie besessen, nur von ihrem Gitarristen begleitet. Ein bisschen Jazz, viel Soul und eine zwei bis drei Oktaven bezwingende Version des Beatles-Hits „Yesterday“ machen sie in einer Dreiviertelstunde zum Publikumsliebling. Natürlich singt sie auch ein paar Songs von „Lost & Found“ (Verve/Universal), das im Januar auch bei uns erscheint.
Text: Götz Bühler

 

Nummer 71
Diknu Schneeberger. Wunderteen.
Die Gypsy-Tradition hat schon so manches Wunderkind hervorgebracht – Biréli Lagrène etwa war dreizehn, als er die Bühnen dieser Welt eroberte. Das wäre für Diknu Schneeberger, Sohn des Gypsy-Bassisten Joschi Schneeberger, nicht möglich gewesen, denn er hat erst mit 14 angefangen, Gitarre zu spielen. Jetzt ist er 17, und wenn man die Debüt-CD „Rubina“ (City Park/edel Contraire) einlegt, staunt man einfach, wie gut der schon ist.
Text: Rolf Thomas

 

Nummer 70
Kristin Asbjørnsen. Spirituelle Reise.
Gut die Hälfte ihres Lebens verbrachte die Sängerin Kristin Asbjørnsen mit den Songs, die sie jetzt endlich für die Ewigkeit festgehalten hat. Vor 17 Jahren lernte die bereits gospelerfahrene Tochter eines Priesters die afroamerikanische Spirituals-Sängerin Ruth Reese kennen, die bereits seit 1960 in Norwegen lebte. In einigen wenigen Treffen kamen sich die beiden so nahe, dass Kristin Asbjørnsen nach dem plötzlichen Tod ihrer Lehrerin und Mentorin ein Songbuch mit wertvollen Aufzeichnungen von Ruth Reese erbte.
Text + Foto: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 69
Robert Glasper. Milchshake mit Schuss.
Als Robert Glasper vor neun Jahren nach New York kam, da hielt er sich für den Größten. Im heimatlichen Texas hatten sie ihn und seine Piano-Künste angehimmelt. Das lässt einem schon die Brust schwellen. Als der hochgewachsene Jüngling dann zu den ersten Jam-Sessions im Big Apple ging, holte ihn die Realität ganz schnell wieder ein. Die Pianisten, die vor ihm auf die Bühne kamen, waren so brillant, so ausgefuchst, dass er sich nicht zuzugeben traute, Klavierspieler zu sein, und eine Zeit lang behauptete, eigentlich Schlagzeug zu spielen.
Text + Foto: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 68
Meshell Ndegeocello. Write Good Things In Your Thing.
Meshell Ndegeocello hat ein neues Album aufgenommen. Für Verve Frankreich, und eher Groove-Punk-Funk als Jazz. Die vorab veröffentlichte „Article 3 EP“, unter anderem mit Gästen wie Oumou Sangare, Graham Haynes oder Pat Metheny, bietet einen bitter-süßen Vorgeschmack auf das Werk, das zunächst „The Grand Mission“ heißen sollte, derzeit aber unter dem Arbeitstitel „The World Has Made Me The Man Of My Dreams“ auf Meshells Website firmiert — und dessen Veröffentlichungstermin seit Monaten unklar ist. Obwohl die Bassistin, Sängerin und Produzentin musikalisch und politisch nach wie vor viel zu sagen hat, will sie nicht darüber reden, wie Götz Bühler in München feststellte.
Text: Götz Bühler

 

Nummer 67
Walter Lang. Ich bin's.
Heintje, Queen, die Beatles, japanische Folklore, Gershwin, Drum&Bass, Bach, Schumann und Fußball: Bei Walter Lang passt das seltsamerweise alles zusammen. Obwohl ihn eine Menge Dinge interessieren, läuft er nie Gefahr, Eintopf abzuliefern. Der Pianist hat längst den gordischen Knoten der Gleichförmigkeit durchschlagen und entstaubt mit frischen Ideen das langsam in die Jahre kommende Jazzklavier.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 66
Eliane Elias. Stadtgeschichten.
Eliane Elias will es wissen. „Around The City“ (Sony/BMG), das neue Album der singenden Pianistin, ist ihre große Lauschattacke. Die ganze Welt soll ihre programmierten Bossa-Beats zu sanften Gesängen, die Songnovelas im Popformat oder ihre Versionen von Santana-, Beck- oder Bob Marley-Hits hören. In Japan, Frankreich und den USA funktioniert die poppige Jazzmixtur schon ganz gut. Und ab Februar 2007 hoffentlich auch bei uns.
Text: Götz Bühler

 

Nummer 65
TD Canada Trust Toronto Jazz Festival.
23.06. bis 02.07. / Toronto/CDN

„The russians are coming!“ - in grauer Vorzeit noch eine Drohung, im Programmheft aber Ausdruck ästhetischer Vorfreude. Zu recht: Igor Butman, von W. Marsalis protegierter Tenorist und Leiter eines Moskauer Jazzclubs, eröffnete mit boppigem Hochdruck den „EuroJazz" - einen kleinen Schwerpunkt der 20. Ausgabe, wie er in den USA kaum denkbar ist.
Text: Karsten Mützelfeldt

 

Nummer 65
René Urtreger. Zurück vom Planeten Bebop.
Vor gut einem halben Jahrhundert spielte er in Paris mit Säulenheiligen wie Miles Davis oder Chet Baker und schrieb dabei ein Stück europäische Jazzgeschichte. Heute kämpft René Urtreger gegen die schleichende Akademisierung seiner Musik sowie für deren unverfälschte Schönheit. Auch wenn ihn manche deshalb immer noch wie einen Außerirdischen behandeln.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 64
Trilok Gurtu. Zwei Wochen im Mai.
Mit Oregon war er in den 80ern ein Wegbereiter vieler East/West-Fusionen. Trilok Gurtu war Mitte der 90er der erste Inder, der den Downbeat Critics Poll gewann, in der Sparte Perkussion. Und niemand vor ihm hat sich so vehement für den indisch-afrikanischen Brücken- schlag eingesetzt. Mit „Farakala" ist Trilok Gurtu ein neues Highlight seiner langen Laufbahn gelungen. Jörg Gebauer sprach mit Trilok Gurtu über ein halbes Jahrhundert Wegstrecke - von Mumbai nach Farakala.
Text: Thomas Gebauer

 

Nummer 63
Peter Bolte. Alles anders.
Mit „Lento" hat der Hamburger Altsaxofonist Peter Bolte nicht nur ein äußerst stimmiges Album veröffentlicht, es ist ihm auch gelungen, mit der Hilfe von Bob Degen, Dieter Ilg und Daniel Humair ein veritables All-Star-Quartett auf die Beine zu stellen.
Text: Rolf Thomas

 

Nummer 62
Leben im Retro-Faschismus. Ein Roundtable mit Famoudou Don Moye, Roscoe Mitchell und Jaribu Shahid vom Art Ensemble of Chicago
„Great Black Music“: ein Motto, aus dem die Sechziger sprechen. Kultureller Stolz, politischer Aktivismus, ökonomische Selbsthilfe. So etwa verstand sich die Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM), die sich 1965 um den Pianisten Muhal Richard Abrams gruppierte und die im Art Ensemble of Chicago ihre Vorzeigeband fand. Heute, zum 40. Jubiläum, feiert man auf Festivals schwelgend das AACM-Erbe. Aber was ist übrig von der politischen Schlagkraft der Alt-Avantgardisten, wollte Jazz-thing-Autor Johannes Völz wissen und traf die Art-Ensemble-Mitglieder Roscoe Mitchell, Famoudou Don Moye und Jaribu Shahid am Rande des Jazzfestivals in Guelph, Ontario, zum Roundtable-Gespräch. Eines steht nach diesem Interview fest: Auf Konfrontationskurs befinden sich die AACM-Legenden noch immer. Denn mit der Welt geht es rapide bergab.
Text: Johannes Völz

 

Nummer 61
Peter Materna. Maternas Soul
Das Internet ist noch immer ein aufregend neuer, weil sich weit verzweigender Distributionsweg, über den auch und gerade Jazzmusik dem Publikum nahe gebracht und verkauft werden kann. „Ich habe überhaupt keinen Druck und muss mich mit keinem regulären CD-Vertrieb auf einen Kuhhandel einlassen, weil der Verkauf meiner Platten übers Internet sehr gut läuft", freut sich der in Bonn lebende Saxofonist und Komponist Peter Materna über die sich ihm eröffnenden Möglichkeiten des WWW.
Text: Martin Laurentius

 

Nummer 60
Henry Grimes. Phönix
Für einen zweiten Karriereanlauf ist es nie zu spät. Aus dem Nichts hat der Bassist Henry Grimes nach über dreißig Jahren Abstinenz den Weg zurück in die Jazz-Szene gefunden. Die Gemeinde hat ihn mit offenen Armen empfangen.
Text: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 59
Doug Wamble. Bartók's Blues
Vor zwei Jahren erschien das Debüt eines jungen Gitarristen auf dem Marsalis-Label, der erdige Soulgrooves mit einem großen Hunger nach neuen Wegen verband und zugleich seine Roots im tiefen Süden der USA durchblicken ließ.
Text: Uli Lemke

 

Nummer 58
Michael Reinboth. Produktivkräfte der Musikwelt, Folge 27

Dass ein Label in der Clubmusik-Welt seinen 10. Geburtstag erlebt und überlebt, ist eine Rarität. Das Münchner Label Compost (Trüby Trio, Beanfield, Joseph Malik, Intuit, „The Future Sound Of Jazz“, „Glücklich“) kann in diesem Jahr schon sein 11-jähriges Jubiläum feiern — wenn auch, wie so viele, etwas gebeutelt von der Pleite des PP-Sales-Vertriebs. Im Interview erklärt Gründer und Chef Michael Reinboth, wie man so etwas anstellt.
Interview: Guido Halfmann

 

Nummer 58

Stefano Bollani. Ehrliche Angebote in C-Dur
Die Fotos der vergangenen Jahre zeigen Stefano Bollani in vielfältigen Identitäten. Hier Wuschelkopf, da Dreadlock-Freak, dort Föhnwelle, manchmal ist er kaum wiederzuerkennen. Gleich bleiben allerdings das aufmerksame Blitzen in den Augen und dieses spezielle verschmitzte Lächeln. Denn der 32-jährige Pianist aus Mailand weiß, worauf es ankommt. Er pflegt seine Neugier und hegt die stilistische Offenheit, nach alle Seiten musikalisch ausschwärmen zu dürfen. Deshalb kann er auch ein „Concertone" schreiben, das mit mediterranem Esprit souverän an den Untiefen der Sentimentalität vorbei navigiert.
Text: Ralf Dombrowski

 

Nummer 57
Aldo Romano. Nomadengesang

Besser spät als nie. Die Tatsache, dass Aldo Romano durch die Verleihung des Jazzpar Prize in den Adelsstand der Kreativgeister des modernen Jazz erhoben wurde, belohnt endlich sein jahrzehntelanges, rastloses Suchen nach Wegen abseits der populistischen Hauptstraße.
Text: Reinhard Köchl

 

Nummer 56
Bantu. Orientierung Richtung Afrika

Die nigerianisch-Kölner Combo Bantu veröffentlicht ihr zweites Album seit 1998. Nach einigen Jahren, in denen sie viel Zeit in Nigeria verbracht haben und dort auch mittlerweile den vierten Hit in den Radio-Charts platzieren konnten, wenden sie sich in ihrer Arbeit wieder Deutschland zu.
Text: Max Annas

 

Nummer 55
Harvey Mason. Der große Kommunikator

Er hat auf über tausend Platten getrommelt, bei Miles Davis, Ray Charles, Madonna und allen anderen. Nun ist Harvey Mason 47 Jahre alt. Da wird es höchste Zeit für die erste reine Jazz-Platte. Also hat er die besten Pianisten und Bassisten um sich geschart. Und eine unglaubliche Aufnahme geschaffen.
Text: Johannes Völz

 

Nummer 54
Frei fließender Verkehr. Tim Berne

Genau acht Jahre ist es her, dass Tim Berne mit Marc Ducret und Tom Rainey auf dem Album „Big Satan“ einen Kontrapunkt zu seiner damals regulären Band Bloodcount setzte. Die für Bernes Verhältnisse ungewöhnlich kompakten, verschränkten Konstruktionen des Trios klangen wie ein versteckter Tribut an Ornette Coleman. Ein singuläres Projekt, so schien es. Doch wie auf jedem einzelnen Album, so denkt der Saxofonist auch in seiner gesamten Laufbahn in größeren Maßstäben.
Text: Wolf Kampmann

 

Nummer 53
Otto. Vom Manguebeat zum Post-Romantiker

Unter Etiketten wie „Sambaloco“ oder „Urban Brazil“ versuchen Plattenfirmen derzeit, progressive Musik aus Rio und São Paulo an den Hörer zu bringen. Vieles davon klingt allerdings wie eine Wiederauflage von europäischem Drum&Bass der 90er. Die wahre Brasil-Avantgarde spielt sich vielleicht im Kopf eines Mannes mit dem schlichten Namen Otto ab.
Text: Stefan Franzen

 

Nummer 52
Philipp van Endert. Wie auf Kissen

Sanft, ganz sanft schlängelt sich die Musik vom Philipp van Endert Trio auf der gleichnamigen CD (Jazzsick/EFA) in die Gehörgänge. Atem holen, Luft schöpfen - das sind Begriffe, die einem einfallen, wenn man die zarten Gewebe, die Gitarrist van Endert, Bassist André Nendza und Kurt Billker am Schlagzeug gemeinsam knüpfen, auf sich wirken lässt.
Text: Rolf Thomas

 

Nummer 52
Majestic 12. Heimlichtuer der alten Schule

Bevor Carlos Bess seine Leidenschaft für das Produzieren von Wu-Tang-Clan-Musik entdeckte, trieb er sich drei Jahre lang als Graffiti-Künstler auf den Straßen und Schienen von New York herum.
Text: Stephan Faber

 

Nummer 52
Hans Ulrik. Es ist was toll im Staate Dänemark

„Hast du schon mal Hans Ulrik spielen hören?“, fragte mich David Sanborn kürzlich bei einem Interview, kurz nach einem Konzert mit der Danish Radio Big Band unter Maria Schneider in Wien: „Was für ein großartiger Saxofonist!“
Text: Ssirus W. Pakzad

 

Nummer 51
Rickie Lee Jones. Schönheit unter Protest

Ihr neues Album „The Evening Of My Best Day“ stellt sie in den Dienst der revolutionären Sache. Das ungekürzte Interview zum Artikel im Heft.
Interview: Götz Bühler

 

Nummer 50
David Liebman. Der Vorläufer

Er ist weit gekommen, seit er Anfang der Sechziger zum Fan von Coltrane wurde. Er war Mitglied in den Bands von Elvin Jones und Miles Davis, hat als gefragter Solist mit Größen von John McLaughlin bis Chick Corea gespielt, verschiedene Bands gehabt, ist ein angesehener Dozent.
Text: Ulrich Kurth

 

Nummer 49
Värttinä. Langer Atem

20 Bandjahre und zehn Alben - so die stolze Bilanz von Kareliens lebendigster Folk-Institution. Nach einer wirbelnden Live-CD sind Värttinä mit neuer Besetzung ins Studio zurückgekehrt und demonstrieren mit „Iki“, dass sie noch einen weiteren Schritt vom rotzigen Schulmädchen-Folk zum reifen Songwriting vollzogen haben.
Text: Stefan Franzen

 

Nummer 48
Warsaw Village Band. Weiße Stimmen gegen Plastik-Pop

Die Folklore aus der Hohen Tatra, von Adrian Sherwood dubbig verfeinert, und die jiddische Musik aus den Shtetls von Krakau - viel mehr Weltmusikalisches drang von unserem Nachbarn im Osten bislang nicht an unser Ohr. Aus dem geographischen Herzen Polens melden sich nun sechs junge Leute, die eine neue Qualität in vergessene Klangwelten hineintragen.
Text: Stefan Franzen