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41. Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2010
28. bis 31. Oktober
 
   
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Céline Bonacina. Tiefes Verlangen [1/1]

Céline Bonacina
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Als sie das große Büro ihrer Plattenfirma betritt, befürchtet manch einer der anwesenden Mitarbeiter, Journalisten und Musiker für einen Moment, dass Céline Bonacina womöglich gleich vorne über kippen könnte. Allzu gewaltig wirkt das Baritonsaxofon, das sich die zarte, kleine Frau aus Frankreich umgeschnallt hat. Doch mit diesem Monstrum von einem Instrument steht sie wie dann wie fest im Boden verwurzelt da und nötigt allen nicht nur deshalb Respekt ab, weil sie eine vermeintliche physische Unmöglichkeit vollbringt. Es ist dieses kernige, akzentuierte, wendungsreiche, vielfarbige Spiel, das die Gäste umhaut.

„Wichtig ist zunächst mal, dass man den Umgang mit der Luft beherrscht, danach ist alles nur noch eine Frage von Energie. Natürlich ist das Instrument ein wenig schwer für mich, andererseits ringt es mir viel Vitalität ab – und die kompensiert einiges. Und weil ich mich dem Bariton mit Leib und Seele verschrieben habe, motiviert mich das zusätzlich. Die Resonanz und Vibration, die das Bariton erzeugt, wirkt bei mir direkt auf die Körpermitte und erdet mich gleichzeitig“,

sagt sie, mit der rechten Hand ihren Bauchnabel umkreisend. Oft bereitet sie sich mit Chigong, einer chinesischen Meditations- und Bewegungslehre, auf den Körperkontakt mit ihrem Instrument vor und versucht gleichzeitig die Schwingungen des Moments aufzugreifen.

1996 kam sie zu ihrem Tieföner, denn Céline, die zunächst am Alt begonnen hatte, trat in Paris damals mehreren Big Bands bei, in denen das Instrument benötigt wurde. „Ich mochte es gleich, vor allem wegen dieser enormen Spannweite von sehr tiefen bis zu sehr hohen Tönen und wegen der Möglichkeit, Multiphonics darauf zu spielen.“ Aus der Neuen Musik schaute sich die Jazzerin dann noch diverse Spieltechniken ab, die der kreativen Geräuscherzeugung dienten.

Einen besonderen Kick erhielt ihre Musik, als Céline Bonacina für mehrere Jahre auf La Réunion, einem 800 Kilometer östlich von Madagaskar gelegenen Eiland, Saxofon unterrichtete. Von der Insel im Indischen Ozean brachte sie diverse, äußerst lebendige Rhythmen mit, die sich nun auch auf ihrem Album Way Of Life (ACT/ edel Kultur) finden - neben rockigen Passagen, klassischen Anspielungen und diversen Deutungen des Jazz. Veredelt wurde die CD vom Gitarristen Nguyên Lê, der koproduzierte und einige der feurigsten Soli beisteuerte, die man seit langem von ihm gehört hat. Nguyên Lê: „In Céline Bonacina stecken der Wille und der Drang Grenzen zu durchbrechen und sich von der Masse abzuheben.“

Text und Fotos: Ssirus W. Pakzad

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