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Blue Rhythm 39
nummer 39
frühjahr 2009

jazz cooks  

Die Alphatierchen.
Zu Tisch mit Fisch bei Ulita Knaus und Tim Rodig [1/3]

Ulita Knaus mit Mousse au Chocolat
Dieter Ilg, Florian Ross, Ulita Knaus
Fotos: Christian Schmid
 
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Ein Freiburger zu Gast im hohen Norden: Kann das gut gehen? Sogar sehr gut. Wenn die Gastgeber Ulita Knaus und Tim Rodig heißen – und wenn man fischpolitisch auf einer Wellenlänge ist.

Hamburg im Winter. Jedes Stockwerk begrüßt die Gäste auf seine Weise, mal steht ein Fahrrad an der Wand, mal ein Schuhregal, mal ein Kinderwagen. Ist das typisch für Ottensen? Keine Ahnung.

Typisch für Hamburg ist eher, dass nahezu jeder Besucher der Stadt dort Fisch essen möchte. Da der einstige Brotfisch des Nordens, der Kabeljau, bald nur noch in den Märchenbüchern des alten Fischerordens vorkommen könnte, wird in einschlägigen Lokalen auch noch Babyscholle serviert statt ökologischer Karpfenzucht. Denn der einstige Massenfisch war noch vor ca. 30 Jahren mit der am günstigsten zu erwerbende Meeresfisch und bereicherte neben den Fischstäbchen so manchen Siebzigerjahre-Haushalt mit einer freitäglichen bezahlbaren Eiweißportion. Doch mittlerweile wird der Kabeljau in Sternelokalen kredenzt und wiederholt die Geschichte des Lachses, der auch einst ein preisgünstiges Getier und heute fast nur noch ein billiges Massenschnäppchen darstellt oder eben als nahezu letzter Wildfang zum Luxusgeschöpf avanciert.

Solange unsere für die Fischerei verantwortlichen Minister bezüglich der erlaubten Fangmengen, der Kontrolle der Einhaltung von gesetzlichen Fangverboten und der entsprechenden Bestrafung kriminellen Verhaltens so total versagen wie in den letzten Jahrzehnten, ist Hopfen und Malz verloren. Womit wir beim Bier angekommen sind. Aber das würde mich vom Hauptthema noch weiter entfernen. Oder glauben Sie etwa an die Mär des deutschen Reinheitsgebots? Lassen wir uns den unten angefügten Getränketipp schmecken und bleiben dennoch beim Fisch, sprechen mit Ulita Knaus und Tim Rodig über die Fischpolitik und den Transport von Nordseekrabben nach Nordafrika: extra und ausschließlich zum Entfernen der Schale. Wir hoffen gemeinsam und inbrünstig, dass die vor uns liegenden Krabben diesen langen und depperten Weg nicht hinter sich haben.

Die Frage nach einem Espresso wird von mir freundlichst bejaht. Und gleich in der Arbeit des Kartoffelschälens berichtet Ulita von ihren schlechten Erfahrungen mit portugiesischem Stockfisch. Aha, hier ist er wieder, der Kabeljau (siehe auch das Buch von Mark Kurlansky: „Kabeljau, der Fisch, der die Welt veränderte“, Claassen Verlag). Nun schlägt Ulita Eier auf, während Tim sich dem Schälen der Avocados hingibt. Gemeinsame Handarbeit der Alphatierchen, wie sie sich beschreiben. Beruflich geht man getrennte Wege. Externe Proberäume machen das Leben in der kleinen, gemütlichen Wohnung möglich. Mir gefällt das überaus. Und dass die beiden sich als Bandleader ihrer eigenen Gruppen behaupten möchten, kenn’ ich doch nur allzu gut. In der Küche ist es eben anders. Gemeinsames Würzen, separates Arbeiten.

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