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Blue Rhythm 37
nummer 38
herbst 2008

Jackson Browne. Ticket nach Kuba

Jackson Browne
Jackson Browne - Time The Conquerer
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Für Publicity dieser Güteklasse hätte manch anderer Kollege womöglich ein Vermögen auf den Tisch geblättert. Jackson Browne jedoch kam eher die Galle hoch, als er erfuhr, dass die Republikaner einen Fernsehspot für John McCain mit seinem 1977er Hit „Running On Empty“ (Fahren auf Reserve) garnierten. Obwohl der in Heidelberg geborene und zuletzt nur noch sporadisch auftretende Rockbarde plötzlich wieder in den Schlagzeilen landete, verklagte Browne McCain und forderte 75 000 Dollar wegen Imageschädigung. „Das musste ich einfach tun“, rechtfertigt sich einer der politischsten Singer/Songwriter Amerikas, „denn McCain ist nun wirklich nicht der Typ, den ich gerne im Weißen Haus sehen würde.“

Alles andere klänge bei dem ewig jungen Helden, der am 9. Oktober seinen 60. Geburtstag feierte, auch verwunderlich. Der Mann, der mit Songs wie „Lives In The Balance“, „Soldiers Of Plenty“ oder „Casino Nation” schon immer den Finger in die Wunden des US-Systems legte, sich aber auch mit Hits wie „Stay“, „The Pretender“, „Doctor, My Eyes“ oder „Somebody’s Baby“ einen Platz in der Rock and Roll Hall of Fame sicherte, hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. In seinen besten Zeiten schaffte es Jackson Browne, das Lebensgefühl einer ganzen Generation mit wenigen Akkorden, seiner sanft-melancholischen Stimme und intelligenten Lyrics auf den Punkt zu bringen. Manch einer hätte ihn zwar lieber bei den Eagles gesehen, denen er unter anderem den Gassenhauer „Take It Easy“ auf die Leiber komponierte. Doch der „verdammt beste Songwriter im heutigen Amerika“ (David Crosby) legte es nie darauf an, den Superstar rauszukehren.

Selbst mit seinem aktuellen Album „Time The Conquerer“ (Inside/Rough Trade), dem ersten mit brandneuem Material innerhalb von sechs Jahren und gleichzeitig dem besten seit den erfolgreichen 1980ern, geht es ihm in erster Linie um die Nachhaltigkeit seiner Geschichten. „Es ist eine Art Rückblick und Ausblick zugleich. Ein Songzirkel über Zeiten, den Beginn meiner Karriere, die Ideale, die wir damals hatten, und was daraus wurde.“ Jackson lässt die Tage im Laurel Canyon, jenem legendären Rock’n’Roll-Tal bei Los Angeles, wieder aufleben, den Optimismus und die Hoffnung einer Ära. Er erzählt von sexuellen Schlüsselerlebnissen oder prägenden Beziehungen. In erster Linie jedoch geht es um Haltung.

„Where Were You“ prangert das Versagen der Bush-Administration in New Orleans an und „The Drums Of War“ wendet sich gegen den Irak-Krieg. Am tiefsten dringt sein erfrischend unaggressives „Going Down To Kuba“ ins Ohr — ein Appell gegen das Embargo gegen den Inselstaat. „Sie sagen uns, da unten in Kuba lebt unser Feind, und meinen damit das kommunistische Regime. Gleichzeitig betreiben sie regen Handel mit den chinesischen Diktatoren. Nun, ich werde trotzdem eines Tages dahin gehen und danach jedem erzählen, dass die Kubaner nicht unsere Feinde sind.“

Text: Reinhard Köchl

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Jackson Browne. Ticket nach Kuba.