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Blue Rhythm 35
nummer 35
herbst 2007

jazz cooks  

Indian Instant Food.
Das Karnataka College kocht [1/3]

Ramamani Ramanujam am Herd
Zutaten
Fotos: Lutz Voigtländer
 
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Seine Liebe zur fleischlichen pakistanischen Küche verschweigend, lässt sich unser Chef-Gourmet Dieter Ilg auf ein vegetarisches indisches Menü ein, mit authentischen Importen gekonnt zubereitet vom Karnataka College Of Percussion.

In unmittelbarer Nähe der Kölner Tiefebene. Nach gemeinsamem Auftritt bei der Ruhrtriennale schwebt noch die Kora von Mory Kante über unseren Köpfen, und das verschmitzte Grinsen von Balafonspieler Adamar Conde wandelt vor unseren Augen. Die zündenden Gitarrenfunken Paul Shigiharas spürend, vom schelmhaften Trieb eines Mathias Schriefl geblendet, vom Schlag Mokhtar Sambas getrieben und von den Sufischreien eines Dhafer Youssef benebelt. So finden wir uns beim mitmusizierenden Kurator und Küchenverleihnix, dem Pianisten Mike Herting, ein: T.S. Ramamani Ramanujam, T.A.S. Mani, Karthik Subramaniam – zusammen mit dem Gastgeber und dem später hinzustoßenden Ramesh Shotham auch als Karnataka College weltweit aktiv – und meine Wenigkeit.

In der offenen Küche im Hause Hertings knistert es. Nein, es sind keine im heißen Öl knackenden Gewürze, sondern Plastikbeutel mit gefriergetrocknetem Inhalt. T.A.S. Manis Bruder hat eine kleine Firma, in der „Hausgekochtes“ transportierbar und in der Fremde somit degustierbar gemacht wird. Convenience Food Home Style eben. Und das persönlich mitgetragen aus Indien. Besi-Bele Bath heißt das typisch südindische Gericht aus Bangalore. Ein Masala aus Koreandersamen, schwarzen Linsen, gelben, halben Erbsen, roter Chili, Kardamom, getrockneten Kapern, Nelken, Kümmelsamen, Pfeffer, Tamarinde und Salz ist zu Pulver zermahlen. Dieses wiederum wird vermengt mit Reis, teils gebrochenen Linsen, Kokosnussflocken, Cashew-Nüssen, Salz, frittierten Currypulverblättern, Asafoetida sowie Kurkuma. Und obiges Gemenge lugt aus den prallen Importbeuteln, nach Einsatz schreiend. Doch zuvor schneidet unser zweiter Tageskoch Ramesh Shotham – der berichtet, wie unterschiedlich die indische Küche sogar von Haus zu Haus sein kann, je nach Religionszugehörigkeit etc. – Gemüse nach Saison, in unserem Falle Kohlrabi, Karotten und Tomaten, grob klein.

Ramamani gibt Sonnenblumenöl in die erhitzte Edelstahlpfanne und das zerkleinerte Gemüse hinzu. Ramesh rührt daraufhin gar kräftigst in der Pfanne und salzt mit zwei Teelöffeln so genannten Himalaya-Salzes. Das kommt zwar aus Pakistan, doch scheint keiner Notiz davon zu nehmen, geschweige denn, sich darüber zu echauffieren. Ich selbst verschweige in diesem Moment meine Zuneigung zur fleischlichen pakistanischen Küche, bevor hier eventuelle Atombomben gezündet werden, Gott bewahre uns – welcher, spielt nun wirklich keine Rolle.

Nun verschwindet das angebratene Vegetarische im von Ramesh herangekarrten Schnellkochtopf, zusammen mit kochendem Wasser natürlich. So wird dem Ausgangsmaterial in dieser Art der wiederbelebenden Garung erneut Flüssigkeit vermittelt und das „Gebeutelte“ in einen ursprungsähnlichen Zustand gebracht.

Unser Fotograf betätigt sich als diskreter Monteur und wirft die Dunstabzugshaube an. Ramesh, Ramamani und T.A.S. Mani diskutieren vor der Herdstelle ob der Zubereitung. Als Nächstes steht Raita zur Disposition. Das ist extrem einfach zuzubereiten und geleitet mit kühlenden Eigenschaften das indische Gericht formidabel. Als ob er mich seherisch gelesen hätte, hackt Ramesh sogleich Zwiebeln und Tomaten. Hacketomaten statt Hackepeter…

Joghurt wird mit Salz gewürzt, Korianderblätter (ersetzbar durch Pfefferminze) werden fein geschnitten und mit den Zwiebeln wie Tomaten vermischt. Abgeschmeckt mit in der Pfanne gerösteten Senfsamen. In Anlehnung an Giovanni Trappatoni: Wir haben fertig. Um doch noch einmal, wenn auch kurz, abzuschweifen, besagter Fußballtrainer formte einen meiner Lieblingssätze im tretenden Ballsport: „Wir nehmen Tor wie Kinder.“ Zitieren wir dazu Loriot: „Ach!?“

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