Die Gypsy-Tradition hat schon so manches Wunderkind hervorgebracht – Biréli Lagrène etwa war dreizehn, als er die Bühnen dieser Welt eroberte. Das wäre für Diknu Schneeberger, Sohn des Gypsy-Bassisten Joschi Schneeberger, nicht möglich gewesen, denn er hat erst mit 14 angefangen, Gitarre zu spielen. Jetzt ist er 17, und wenn man die Debüt-CD „Rubina“ (City Park/edel Contraire) einlegt, staunt man einfach, wie gut der schon ist.
Lagrènes „Made in France“, Duke Ellingtons „Caravan“ und Santanas „Moonflower“ sind nur drei der 14 Songs, die Diknu Schneeberger mit Verve, Feeling und Eleganz spielt, begleitet von seinem Vater am Bass und dem Gitarristen Martin Spitzer. Über allem thront natürlich Django Reinhardt, zu dem Schneeberger einen relativ langen Weg zurückgelegt hat. „Es war die Musik, die bei uns zu Hause immer gespielt wurde“, erzählt er. „Anfangs hat mir das gar nicht so gefallen, jetzt schon. Es war Stochelo Rosenberg, der mich zu Django geführt hat.“
Der Traum, einmal mit Stochelo Rosenberg, dessen Trio-CD live vom North Sea Jazz Festival eine der „all time faves“ des Teenagers ist, auf der Bühne zu stehen, ist vor kurzem auch in Erfüllung gegangen. Begonnen hat Diknu Schneeberger allerdings als Schlagzeuger. „Ich habe Jazz gespielt nach Noten“, erinnert er sich. „Aber eigentlich hat mir das nie so richtig eingeleuchtet, deshalb habe ich auch damit aufgehört.“
Die Gitarre hat er dann im Jahr 2004 erstmals in die Hand genommen. Bereits im Juni des Jahres folgte der erste Auftritt, und im Oktober 2004 war Diknu Schneeberger im Quintett seines Vaters dann auch erstmals auf CD zu hören. Doch erst der im folgenden Jahr begonnene Unterricht bei Martin Spitzer tritt die Lawine los. „Das Wichtigste, was mir Martin beigebracht hat, ist der Gypsy-Anschlag“, meint Diknu Schneeberger. „Ohne den könnte ich jetzt nicht so spielen. Das ist eine eigene Technik, das macht den Sound. Ich hätte vorher gar nicht gewusst, dass es so was gibt. Sehr schwer für einen Anfänger, aber dann zahlt es sich aus!“
Text und Foto: Ssirus W. Pakzad
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