Meshell Ndegeocello hat ein neues Album aufgenommen. Für Verve Frankreich, und eher Groove-Punk-Funk als Jazz. Die vorab veröffentlichte „Article 3 EP“, unter anderem mit Gästen wie Oumou Sangare, Graham Haynes oder Pat Metheny, bietet einen bitter-süßen Vorgeschmack auf das Werk, das zunächst „The Grand Mission“ heißen sollte, derzeit aber unter dem Arbeitstitel „The World Has Made Me The Man Of My Dreams“ auf Meshells Website firmiert — und dessen Veröffentlichungstermin seit Monaten unklar ist. Obwohl die Bassistin, Sängerin und Produzentin musikalisch und politisch nach wie vor viel zu sagen hat, will sie nicht darüber reden, wie Götz Bühler in München feststellte.
Wenn man mich fragt, ist Meshell Ndegeocello die interessanteste Musikerin unserer Zeit. Geschmacksicher und eigenwillig in ihren Songs, soulful in der Stimme und eine Bombe am Bass, dazu politisch, philosophisch und religiös versiert und durchdacht, macht sie eigentlich alles richtig. Ihre sechs Alben zwischen Soul, Funk, Singer-Songwriter-Sinnlichkeit und dem Jazz von „The Spirit Music Jamia“ sind ebenso großartig wie ihre zahlreichen Soundtrackstücke und Gastauftritte (etwa bei Marcus Miller, Rahzel, Chaka Khan oder Joe Henry). Sogar ein Remix von Charlie Parkers „Relaxin’ At Camarillo“ und ihre Version von Dolly Partons „Two Doors Down“ funktionieren. Ich kenne sie seit dreizehn Jahren. Auch privat. Unsere Begrüßung im Club des Hotels Bayerischer Hof in München, kurz nach dem Soundcheck der Band, dem Zeitpunkt also, der mir kaum eine Stunde zuvor als Interviewtermin angekündigt wurde, verwirrt mich also.
Meshell: Was machst du denn hier?
Ich bin hier, um dich sehen.
Meshell: Schön.
Und um dich zu interviewen.
Meshell: Wohl eher nicht. Ich will kein Interview machen. (Pause) Hast du die neue Musik gehört?
Natürlich. Sie gefällt mir. Sehr sogar.
Meshell: Dann schreib das.
|