Das Konzert ist ein wilder, lauter Ritt durch etliche neue Songs, auch von der „Article 3 EP“. Ihre soliden Basslines, der Groove ihres Überdrummers Charles Haynes, die absurden Gitarrenriffs von Oren Bloedow, die Percussionsperenzien von Gilmar Gomes und ihre gerapt-gesungenen Songs sind unwiderstehlich. Heftig und kraftvoll, ein wenig wie die Bar-Kays zu „Black Rock“-Zeiten.
Anfangs steht Meshell, die zwischen Gulaschsuppe und Lamm von ihrer Bühnenangst erzählte, noch mit dem Rücken zum Publikum und vergräbt sich in den Tiefen ihres „CBGB-OMFUG“- Kapuzensweatshirts. Ab dem zweiten oder dritten Song macht sie allerdings klare Ansagen. „Dies ist eine Reflexion der Dinge, die dort passieren, wo ich herkomme. Der nächste Song heißt ‚Article 3’. Gemeint ist Artikel 3 der Genfer Konventionen“, ruft sie, wohl in der Annahme, dass sich alle Anwesenden mit der Rechtssituation Kriegsgebeutelter auskennen. Das Nagelbrettartige „The Sloganeer“, in dessen Text es heißt: „If you’re the chosen one, then why don’t you kill yourself now“, kündigt sie so an: „Ich liebe Slogans! God Bless America. And no one else!“.
Irgendwann, vielleicht nachdem sie den Song mit ihrem Taufnamen „Michelle Johnson“ gespielt hat, sagt die in Berlin geborene auch: „Dies ist unser letzter Tag im Vaterland. Seid nett, entspannt euch, macht euch keine Gedanken darüber, wie ihr ausseht. Lasst los.“ Doch es passiert auch Missverständliches.
Während eines Songs, in dem sie öfter von Gott singt, hebt sie die linke Hand und zeigt abwechselnd im Takt mit dem Zeige- oder dem Mittelfinger nach oben. Im Publikum kommt das als gewagter Textkommentar an. Gemeint war nur das helle Bühnenlicht. Drei Songs später ruft Meshell: „Ich mache meine eigenen Regeln. Also, Lichtmann, mach’ jetzt endlich das Bühnenlicht aus!“ Den Rest des Abends spielen Meshell und ihre Band „A Different Girl Every Night“ im Dunkeln. Das ist hauptsächlich absurd, nimmt aber auch lustige Züge an, wenn die Leaderin selbst etwa so wenig sieht, dass sie mit ihrem Bass an den Mikrophonständer stößt oder sich das Schienbein am Verstärker stößt.
Nachher, backstage bei Rotwein und Vanilleeis, schenke ich mir weitere Interviewversuche. „Es hat dir gefallen? Schön“, meint Meshell Ndegeocello zum Abschied. Und dann noch: „Write good things in your thing.“
Text: Götz Bühler
Links:
www.freemyheart.com
www.myspace.com/officialmeshellndegeocello
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