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Blue Rhythm 33
nummer 33
frühjahr 2007

jazz cooks  

Trio Gastronale. Am Herd mit Christopher Dell, Michael Schiefel und Michael Wollny [1/3]

Fotos: Anja Grabert
 
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Über Geschmack lässt sich nicht streiten – über Kochzutaten umso trefflicher. Debattierte Sujets beim kulinarischen Gipfeltreffen unseres Chef-Gourmets Dieter Ilg mit Christopher Dell, Michael Schiefel, Michael Wollny und deren Manager Tobias Schuster unter anderem: die Pros und Kontras von Sojawürsten, Sojaaufschnitten und Sojablöcken, Fett im Allgemeinen, Butter und Margarine im Speziellen.

Darmstadt, Münster, Schweinfurt. Drei deutsche Geburtsstädte, drei deutsche Typen. Mittendrin im auf der Landkarte gezogenen Dreieck: das Reiskirchener Kreuz mit der A5, auch E40 genannt. Da die meisten deutschen Autobahnraststätten – im Gegensatz zu den österreichischen – aus nahrungsmitteltechnischen Gründen gemieden werden sollten („man fährt so, wie man isst“), genießen wir unsere Kochwerdung in der Hauptstadt Berlin, nicht kopflos, ohne E405, aber mit Reis. Also kein Kreuz mit der Kirche. Auch keine Reis streuenden Mädchen...

Dafür mit Tobias Schuster, Manager aller drei kochenden Akteure, seinerseits Karottenlehrling in Ausbildung. Mit sympathisch urbayerischer Brotzeitruhe lässt er sich bereitwillig in die Kunst der Messerführung einweisen. Ein Zögling Elmaus, der mit dem Namen seiner Agentur „shoestring“ an einige Bergwanderungen erinnert. Ein Berchtesgadener auf eigenen Beinen in Berlin, an Auftritten für seine „Schützlinge“ intensiv arbeitend. Christopher Dell und Michael Schiefel beobachten ihn mit Freude in der Küche mithelfend. Die beiden sind schon heftig in ihre Vorbereitungen vertieft, Michael S. erfrägt so manches Werkzeug vom Inhaber der Küche. Christopher da, Christopher dort, alle am gleichen Ort. Noch nie war dieser Raum von so viel gleichzeitig Werkelnden besetzt, entfährt es aus seinem Munde. Denn in der Zwischenzeit hat sich auch Michael Wollny die imaginäre Küchenschürze umgebunden. Der geräumige Raum gleicht einem Taubenschlag. Noch gurrt alles in geschäftiger Stimmung. Kein Falke in Sicht.

Ich entdecke Unmengen von verpackten Holzbriketts vom Biomassehof Brandenburg GmbH. Die Reiskörner in der Hand, zeigt Christopher auf seinen Kamin, die Energiepreise erwähnend: „Wenn der Gaspreis an den Ölpreis gebunden sein soll, müsste meine Gage ja dann auch steigen, wenn Madonnas Gage sich erhöht...“

Die Logik der Realpolitik entzieht sich jeder Sinnhaftigkeit außer der des eigenen Vorteils. Anders gesagt, die Angst vor eventuellen Nachteilen verleitet so manchen Politiker – und auch Nichtpolitiker – zum Brudermord. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Da freuen wir uns mächtig, heute auf Fisch verzichten zu können.

Meine persönliche Abneigung gegen Tofuwürste geistert mir durch den Kopf. Lieber eine Weißwurst als eine optische Täuschung. Nichts anderes sind die Tofuwurst oder andere Merkwürdigkeiten wie Tofuaufschnitt. Denn sie implizieren einen Mangel, eine Minderwertigkeit, sonst müssten sie ja nicht als Wurst auftauchen. Tofu in Blockform wiederum macht Sinn. Und solcher aus garantiert nicht genmodifiziertem Soja umso mehr (www.taifun-tofu.de).

Michael S. würfelt Schinken und Käse, erhebt seine Stimme und frägt in die Runde: „Wo ist denn das Salz? Wo ist denn die Backform?“ Dann mengt er mit seinen Händen den Teig in einer Schüssel. Nun muss der geknetete Ballen in die Form, also keine Knochen-, sondern Knöchelarbeit, gell. Und finalmente wird noch fein Muskat gerieben, bevor die Füllmasse auf den Teig gegossen im Ofen verschwindet. Sein Kehlkopf schnurrt zufrieden.

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Jazz cooks - Christopher Dell, Michael Schiefel und Michael Wollny