| Unter den Dächern von Berlin ließ sich unser Chef-Gourmet Dieter Ilg dieses Ma(h)l von der vielseitigen Sängerin Lisa Bassenge bekochen. Ein reiches Bouquet aus Düften, Geschmacksnoten und Farbtönen regte alle Sinne an, verführte zu gewagten Assoziationen und ließ die Gedanken frei in alle Richtungen schweifen.
Ein Samstagabend in Berlin. Hoch oben unterm Dach, der Duft feiner Speisen erfüllt das dröge Treppenhaus. Die Flöte des Rattenfängers von Hameln ist Kinderkram dagegen. Lisas Tochter ist zu vernehmen, die Mutter lacht, Freund Jonathan lächelt. Rein in die Küche, in der schon aufs Heftigste gewerkelt und geschuftet wird.
Die Farbe Hellblau brennt sich in mein Gedächtnis wie ein immer wiederkehrendes Motiv. Der Brotkorb, die Tischdecke, die Kindersocken. Geruchs-Synästhesie, nun ja, manche Menschen sehen Farben, wenn sie Musik hören oder wenn ihnen ein bestimmter Duft in die Nase steigt. Werde ich also immer an die Farbe Hellblau denken müssen, beim Duft gemesserten Knoblauchs oder dem sirenenhaften Magnetismus der Röststoffe, die dem der Hitze geopferten Lammstück entspringen? Zuerst lenken mich die dunkelrot gefärbten Fingernägel Lisas von meinen Fantasien ab, dann fällt mir die farbliche Entsprechung der Roten Bete dazu auf, das rohe Fleisch, der Emailletopf.
Der Lammfond von Lacroix hechtet in den Bräter „ohne Schuppen und Gräten“ der Thymian riecht klar und deutlich. Wir sprechen von den verführerischen Düften und intensiven Geschmacksnoten frischester Kräuter. Mein Tipp ist immer noch voll schwärmend (siehe auch Heft Nr. 61, Jazz Cooks 27): Exotischer Kräutergarten, Dr. Ali Moshiri, Lichterfelder Allee 47C, 14513 Teltow, 03328-433459, . Ein Wahnsinn der sinnlichsten Nasenart.
Bleiben wir in der blumigen Sprache: Es soll erwähnt werden, dass die Rote Bete unseres „Beilagensalats“ zur Ordnung der Nelkenartigen gehört. Im Gegensatz zu einem Blatt Notenpapier können die Blätter des genannten Wurzelgemüses gekocht auch verzehrt werden (mangoldähnlicher Geschmack). Sie sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen und haben die Eigenart, die Funktion der Leber zu unterstützen. Da der Ursprung dieser Wurzel (Beta vulgaris) mehr oder minder im Mittelmeeraum zu vermuten ist, nach Nordafrika lenkt, sind wir schon sehr nahe am Iran, dessen reiches, kulturelles Erbe unzweifelbar ist. Hier kreuzt sich unsere gedankliche Linie zurück zu Dr. Moshiri und Lisa Bassenge. Ob das nächste Album mit „Safran“ betitelt wird?
Jonathan assistiert wie ein Weltmeister im Hintergrund, ohne Frings kein Ballack eben. Nebenbei und aufgrund unserer Geflügellebercreme palavern wir über Fernsehköche, Starallüren und Kochsendungen. Die Namen des Engländers Jamie Oliver und seines deutschen Klons Tim Mälzer fallen. Ich glaube mich zu erinnern, das Wort „hundefuttermäßig“ vernommen zu haben. Nun, zumindest bei Herrn Mälzer kostet Zeit Geld. Ich denke mir: Entweder ist das Zeitgeist oder der gute Mann wird pro ausgesprochenem Wort bezahlt, quasi pro Anschläge die Minute. Schlagobers.
Lilia beobachtet ihren Vater genauestens beim Brotschneiden: Sie spekuliert auf das erste Butterbrot. Konditionierung ist das A und O. Meersalz fliegt ins Kartoffelwasser, der Topf sprudelt.
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