Mit „Lento" hat der Hamburger Altsaxofonist Peter Bolte nicht nur ein äußerst stimmiges Album veröffentlicht, es ist ihm auch gelungen, mit der Hilfe von Bob Degen, Dieter Ilg und Daniel Humair ein veritables All-Star-Quartett auf die Beine zu stellen.
„Mein eigenes Quartett, mit dem ich ja schon viele Produktionen für JazzHausMusik eingespielt habe, besteht aber nach wie vor", beeilt Bolte sich richtig zu stellen. „Aber ein anderes Repertoire wollte ich eben auch mal mit anderem Personal spielen."
Bob Degen kennt Bolte schon lange, denn er hat Anfang der 90er Jahre in Degens Quartett gespielt. Degen und Daniel Humair sind Musiker, die Peter Bolte seit langem bewundert, und zusammen mit dem Ausnahmebassisten (und Jazz-thing-Koch) Dieter Ilg, der nur wenige Jahre älter als Peter Bolte ist, haben die vier eine CD eingespielt, die tatsächlich aufhorchen lässt. Präzise Standard-Interpretationen wechseln sich mit vielschichtigen und ungewöhnlich kreativen Gruppen-Improvisationen ab
„Auf einer CD kann man nicht einfach Stücke aneinanderreihen", erklärt Bolte das Konzept. „Wer sich die Zeit nimmt und sich eine Stunde hinsetzt, um sich ‚Lento' anzuhören, für den soll es auch als ein Ganzes funktionieren." Eine Einstellung, die man vor allem im deutschen Jazz leider viel zu selten antrifft, die aber reiche musikalische Früchte trägt. Eine so schöne Fassung von „I Concentrate On You" hat man lange nicht gehört, das sich anschließende „Tinge" führt einen dann sachte in eine ganz andere Richtung.
Und so funktioniert das ganze Album: Auf „The Summer Knows" folgt das passend betitelte „Summer Knowledge", aus „My Funny Valentine" entwickelt sich der folgenschwere „Turmoil" und Cole Porters „You're The Top" verwandelt sich in die pfiffigen „Petals". Nur das Cover der CD - schwarze Schrift auf weißem Grund -, das kommt leider in allzu schlichtem Understatement daher. Aber vielleicht fällt es dadurch ja gerade auf - zu wünschen wäre es „Lento" allemal.
Text: Rolf Thomas |