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Blue Rhythm 30
nummer 30
frühjahr 2006

jazz cooks  

Die Kritik kocht.
Am Herd mit Jazz thing [1/3]

Lachseintopf / Ssirus W. Pakzad
Loch / Dieter Ilg
Fotos: Egbert Krupp
 
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Lachseintopf / Ssirus W. PakzadWo es einen Chef gibt, müssen auch Sous-Chefs sein - wie bei Jazz thing. Und so trommelte unser Chef-Gourmet Dieter Ilg die Jazz-thing-Mitarbeiter Ssirus W. Pakzad, Reinhard Köchl, Gerd Filtgen und Ralf Dombrowski zusammen, um mit ihnen am Herd Meinungen, Rezepte und Witze auszutauschen.

Die Tür öffnet sich nach innen, und Köpfe drehen sich zu mir hin. Richtig gelandet, im Atelier des Fotografen herrscht bereits reges Treiben. Nicht am Schreibtisch, nicht am Drehtisch, nicht an der Tastatur unter dem Kopfhörer. Nein, am Herd wird heute gerichtet. Die Schürzen werden der Jagd nach Speisenzubereitung unterstellt. Statt schnippisch gekontert wird gekonnt geschnippelt. Nicht Töne modellieren Tränen aus den Augen, sondern die ätherischen Öle von Chilis und Zwiebeln bestimmen das feuchte Gefühl des „It's A Lazy Afternoon". (Frau/man verabreiche sich selbige Komposition in der Version des George Shearing Trios auf einem Tonträger namens „Windows", erschienen bei MPS im Jahre 1978.)

Unter dem japanischen Messer von Ssirus W. Pakzad gehen diverse Zwiebeln in die Knie, auch der Ingwer ergibt sich seinem Schicksal. Das ist die Chance von Reinhard Köchl zum helfenden Einstieg, während sich Gerd Filtgen als Letzter die rote Schürze umbindet und gleich seine Kartoffeln schält. Da packt auch Ralf Dombrowski seine Äpfel aus.

Im Hintergrund füllt ein kalifornischer Sonnenschein-Groove den Raum, in dem das wohl gebackene Brot „Parisienne" knirschend gescheibelt wird. Jetzt folgt der Einstieg, dem alle bereitwillig nachkommen. Der Tunfischdip von Ssirus wird hungrig auf die Brotschnitten geschoben und sorgt für die allererste Verkostungsbefriedigung. Das bereit gestellte Wasser passt bestens zum Fisch, der hoffentlich nachhaltigeren Fangmethoden entstammt. Frisch verhallt der Geschmack auf der Zunge, kühlt den Gaumen und bereitet dem Appetit erste Genugtuung. Ssirus ist sogleich zurück am Herd, um seine zweite Speise fertig zu stellen. Der Lachs brutzelt in der von Ssirus mitgebrachten, speziell für Elektroherde konzipierten Wokpfanne.

Und sogleich geht es der ersten Weinflasche des Tages an den Kragen. Ich serviere einen 2004er Loch Riesling vom Weingut Herrenberg, Landwein der Saar, von Claudia Loch in 54441 Schoden, Telefon 06581/1258, www.lochriesling.de. Die Säure dieses Weines mundet gar köstlich zum Lachseintopf à la Ssirus und verbindet sich restsüßend glänzend mit der Schärfe des grünen Pfeffers. Kompliment an Wein und Fischgang. Der Lachs, das Schwein der Fjorde. Da zappelt der kühle Norweger, geblendet vom saarländischen Schiefersporn.

In Wirklichkeit ist es ein Biolachs, der die beschränkten Möglichkeiten der ökologischen Fischzucht ins Gespräch bringt. Von der industriellen Ausbeutung der Meere und der ständigen Verseuchung desselben gar nicht zu sprechen. Da wundert es nicht, wenn dem Ecovin-Wein versteckt ein Glaskorken entspringt und für Aufsehen in Journalistenkreisen sorgt. Und das ohne Schiebung bei der Mülltrennung. Die wildesten Geschichten kursieren, in denen die Müllmafia alles Mülltrennende als Farce darstellt. Wenn am Ende der Sammelleidenschaft eh alles verbrannt wird - kann man zumindest für die freiwillige Mülltrennung der Bürger dieselben zur Kasse bitten. Wer blickt da noch durch? Willst du die Wahrheit wissen, so folge der Spur des Geldes.

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Jazz cooks - Jazz-Kritiker