| Als Maler ist er fast so bekannt wie als Schlagzeuger. Letztere Berufung aber war es, die Daniel Humair zusammen mit unserem Chef-Gourmet, dem Bassisten Dieter Ilg, nach Köln in ein Studio führte. Die Gelegenheit wurde genutzt, um an einem freundlichen Mittag gemeinsam zu kochen und zu speisen, das amerikanische Wein-ABC zu widerlegen - und mit einer Legende des Jazz aufzuräumen...
Tags zuvor waren wir im Aufnahmestudio bereits die Zutatenliste durchgegangen. Dies und das wurde erörtert. Französisch sollte der Grundtenor sein. Schweizer Anklänge wären nicht verfehlt, spiegeln allerdings nur Daniel Humairs Ausgangspunkt wider, während sein momentaner Lebensmittelpunkt sich im Zentrum Frankreichs findet. Dreh- und Angelpunkt Paris. Zwischen Pinsel, Besen und Kochlöffel. Planerisch den Bleistift zum Skizzieren nicht zu vergessen.
Nach morgendlichem Hemdenkauf - Daniel schwört auf die Marke Signum - und der Begutachtung hochwertiger Kameras nehmen wir an einem Gemüsestand in Kölns Fußgängerzone noch eine rote Paprika in unser Gepäck auf, zielstrebig gen Mittag die Werkstätte des Jazzmagazinherausgebermatadors anvisierend. Eine Fußmatte mit rotem Schweizer Kreuz lässt Daniel aufhorchen, und als sich der Gastgeber als Fan der Schweiz outet, brechen alle Dämme, obwohl vorher ja gar keine da waren...
Ein gutes Lokal braucht ein gutes Küchenklima, und Axel Stinshoff hatte wieder vieles getan, vom Nahrungsmittel-Einkaufen bis zur Weinwahl, um diesem Statement nur allzu gerne gerecht zu werden. Nomen est omen. Die Messer sind gewetzt, kein Beckmessern ob der Schärfe...
Der Initiationstrunk ist nicht von schlechten Winzern, ein Tröpfchen der Natur, das sich unendlichen Erkundungsgängen nicht entziehen würde, und ab einem bestimmten Alkoholgehalt soll auch der Weinkenner tiefenpsychologischen Ausflügen durchaus offen gegenüberstehen. Die manchmal aber auch an einer Straßenlaterne enden... Nun gut, so weit wollte ich nicht ausholen: Der Beerentrank ist keine Leidplanke, sondern ein Grüner Veltliner-Privat von Nigl, 2003er aus dem Kremstal.
Die Bouillon ist angerührt. Daniel schwärmt von seinem neuen 600-Watt-Küchenmixer, der zum Beispiel gekochtes Gemüse tadellos und feinsämig schlägt, gießt die Avocadosuppe beidhändig in die Teller und räumt gleich den Küchenabfall weg. Gelernt ist gelernt. Nachdem der Grüne Veltliner bereits in der Küche die Zünglein entspannt und benetzt hat, wird sogleich ein zweites Geschöpf auf dem Altar der Traubenliebhaber geopfert, das sich mit seiner goldgelben Farbe der Suppenbegleitung annimmt: ein Limoux, 1998er von Primo Palatum, ein Chardonnay der freundlichen Art, einer, der das amerikanische ABC widerlegt: Anything But Chardonnay.
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