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Blue Rhythm 28
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World Music

jazz cooks  
Italowarisch-bajuphil. Komisch kochen
mit Roberto Di Gioia und Johannes Enders [1/2]
Frisch Gefischtes
Roberto Di Gioia, Johannes Enders
Sugo
Fotos: Ssirus W. Pakzad
 
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Um Worte ist unser Chef-Gourmet Dieter Ilg selten verlegen. Als das kulinarische Treffen mit Roberto Di Gioia und Johannes Enders zum italowarisch-bajuphilen Reim- und Wortspielwettstreit mutierte, verschlug es ihm aber doch einmal die Sprache. Rechtzeitig zur Berichterstattung kehrte sie glücklicherweise zurück…

Ein regnerischer Apriltag am Rande Weilheims, der Navigator im Auto erweist sich wieder einmal als untauglich, aber zumindest Innenminister Schily weiß per Satellitenüberwachung, wo ich mich herumtreibe… Der fehlerhaften Technik getrotzt und der menschlichen Intuition vertrauend bzw. der telefonischen Wegbeschreibung von Johannes Enders… Er ist es auch, der mir die Haustür öffnet. Gegenseitiges Grinsen, vergnügtes Händespiel. Dann tauchen auch die den Bahnnahverkehr nutzenden Roberto Di Gioia und Fotojournalist Ssirus W. Pakzad auf. Fein, es ist Schlag 16 Uhr 32, als Roberto die Küche erstürmt und Ssirus das häusliche Piano. Alle angekommen im oberbayerischen Pfaffenwinkel, am Tag nach der Papstwahl. Statt Kirchenoberhaupt Küchenhäuptlinge am Werk.

In unseren Blicken spiegelt sich steigender Appetit, worauf Roberto gleich die Calamaretti putzt und die Garnelenschwänze entdarmt. Diese hatte er frisch des Morgens auf dem Münchner Viktualienmarkt beim Fischhändler Poseidon erworben. „Frische Fische, gute Fische“, bedeutet die Miene in Robertos Gesicht. Gute Miene zum Marsmobil in Enders' Room. Zustimmend widmet sich Enders, der saxofonierende Familienvater der italowarisch-bajuphilen Vereinigung, zwischendurch dem panettonischen Guglhupf aus dem Rezeptreservoir seiner Frau Susann. Die Eier werden mit dem Handrührgerät dem Zucker anvertraut und mit Mehl vermählt, eine zu Kuchen führende Melange.

In einem Küchenstrategieplan war die gemeinsame Vorgehensweise schon besprochen worden. Johannes zeigt Roberto noch einmal das vorhandene Instrumentarium, und Letzterer kann jetzt alles in einen Topf werfen. Außer dem Büchsenöffner… Der Münchner Tastling bringt die mitgebrachten Tomaten ins Spiel, angefangen mit einer Dose Pelati und viel Tomatenmark - er bevorzugt Valfrutta-Tomatenmark im TetraPak. Hernach wird die kleine Champagner-Flasche geöffnet und bereit gestellt. Robertos Affinität zum sauberen Schnitt wird deutlich erkennbar - ein wirklicher Zerkleinerungsfachmann… Rote Tropfen tropfen - frei nach Schillers „Don Carlos“: „Dies Blutgericht soll ohne Beispiel sein.“

Während wir uns noch in der Küche dem Wasser hingeben, widme ich mich erwartungsvoll der Flaschenöffnung. Eine von Aldos (siehe unten) Weinempfehlungen soll die Pasta begleiten: ein roter (!) Traubling von der Cinque Terre, Poggialino, Colli di Luni Rosso von La Colombiera aus dem Jahr 2000, der aufs Heftigste Robertos Zustimmung erlangt. Der Tomatensugo köchelt in den letzten Zügen, während die Meeresstückchen in der Pfanne garen und unter Robertos Aufsicht mit geschütteltem Schaumsekt sowie Pfeffer und Salz abgeschmeckt werden. Johannes, den Schalk im Nacken, provoziert den Planetenbesucher italienischer Abstammung genüsslich mit desolaten Wortspielen, die dann auch intensiv gekontert werden. Zu meiner Unterhaltung und meinem Leidwesen von Roberto und Ssirus gleichzeitig! Da komm' ich nicht mehr mit. Heinz Erhardt wäre erbleicht an Herzkasper niedergesunken. No fool, no fun! Ben Webster kommt mir in den Sinn (siehe LP Spotlite SPJ142), und Ahmad Jamal tönt aus den Boxen von Johannes. Da meldet sich Goethe: „Keinen Reimer wird man finden, der sich nicht den Besten hielte, keinen Fiedler, der nicht lieber eigne Melodien spielte.“

Roberto serviert seine Linguine mit frischen Meeresfrüchten nach einem Rezept seiner Mailänder Großmutter. Superb, wie Wein, Pasta und die leichte Schärfe der Soße miteinander ein Bündnis eingehen. Rot-Grün in Vollendung, ein seltenes Ereignis…

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Jazz cooks - Roberto Di Gioia & Johannes Enders