Vor zwei Jahren erschien das Debüt eines jungen Gitarristen auf dem Marsalis-Label, der erdige Soulgrooves mit einem großen Hunger nach neuen Wegen verband und zugleich seine Roots im tiefen Süden der USA durchblicken ließ.
Doug Wamble ist bekennender Baptist - natürlich von der Sorte southern church, wo man noch den Dancefloor kennt, und spielt immer noch eine angestaubte Gretsch Constellation oder eine National Steel. Außerdem feiert er gerne wie kaum ein anderer das in Jazzkreisen nicht sehr verbreitete Picking in D Natural, einer alten Folk-Akkordstimmung. Und dennoch ist Wamble alles andere als ein Traditionalist. Monk, Ornette, Trane, Scofield sind Orientierungshilfen, wenn nicht gar Vorbilder.
Mit seinem neuen Werk Bluestate (Marsalis/in-akustik) erweist sich der in Tennessee Aufgewachsene als Meister des fetten Tons, der auch im Gospel seinen Jazz zelebriert. Zwischen den beiden Platten liegen allerdings deutliche Schritte im Katechismus der sechs Saiten. Bluestate tönt reifer, freier, kompakt und selbst bei Coverversions äußerst souverän. Wamble hat eine simple Erklärung parat:
Seit unserem ersten Album haben wir jede Menge Gigs gehabt. Dadurch konnten wir, meine Band und ich, unsere musikalische Sprache unglaublich schnell weiterentwickeln. Je mehr wir spielen, desto mehr wachsen wir als Individuen und als Band.
Die Jungs kennen sich seit dem College, doch so oft wie seit 2003 sind sie zuvor nie aufgetreten.
Das Repertoire von Bluestate: Songs von Stevie Wonder und Peter Gabriel, ein alter Spiritual und eine Nummer vom Pianomate Roy Dunlap, sechs Kompositionen von Doug, dessen Gesangsstimme Stax-kompatibel ist. Und in jedem Track gibt es immer wieder Überraschungen.
The Homewrecker Hump zum Beispiel, eine ältere Idee des Bandleaders, ist inspiriert von diversen Themen, darunter ein paar Klarinettensachen, die Bartók geschrieben hat. Das genaue Stück weiß ich nicht mehr. Das Feeling davon ging mir einfach im Kopf herum. Im Kopf herum ging Doug Wamble aber auch der Krieg seines Landes mit dem Irak, den er gleich in zwei Songs aufgegriffen hat.
Ich hatte Wut und fühlte mich damals, als das anfing, ziemlich hilflos. Später habe ich das dann noch etwas hintergründiger aufgegriffen.
Text Uli Lemke
Homepage von Doug Wamble
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