| Freudig empfängt Charlie den ersten dampfenden Teller, versenkt die Gabel zwischen den Nudeln, führt sie zum Mund und zieht das Gericht genüsslich zu Zunge und Gaumen. Seine Gesichtszüge vermelden unmittelbare Genussbefriedigung. Der Vorkoster gibt nickend seine Zustimmung, und alle Beteiligten dieser Abendmesse bilden eine Schlange zwischen Herd und Esstisch, um die bereitete Gabe schnellstmöglich selbst zu probieren.
Aber halt, gleichzeitig erwartet uns eine weitere orale Tastsinnprobe, die wir von unserem umsorgenden Flaschengott kredenzt bekommen: ein edles Geschöpf, das mich aufs nordamerikanische Glatteis führt und sich als Cabernet Sauvignon, 2002er, Mandelberg, von Philipp Kuhn aus der Pfalz entpuppt. Blindprobe erfolglos bestanden. Der erste Rotwein aus deutschen Landen, den Charlie Mariano serviert bekommt und der ihm Staunen entlockt. Komplimente, auch für Mikes Küchentaten; die Spaghettini werden ratzeputz vertILGt.
Eine kleine Kostprobe vom La Tosa Cabernet Sauvignon Luna Selvatica, 1997 von den Hängen Colli Piacentini aus der Emilia Romagna, nimmt Master Mike mit in die Küche, wo er Bananen wie Orangen schält und schneidet. Auch einen Apfel, der mitsamt den bereits vorgeschnittenen Ananasscheiben, dem Bananen- und Orangenklein in der heißen Pfanne kurz angebraten wird. Nun nur noch mit dem Alkohol (Wermut, Brandy...) ablöschen und flambieren, was das Zeug hält. Telefonnummer für die Feuerwehr bereit halten. Serviert werden die Früchtchen mit Vanilleeis und frisch geschlagener Sahne. Perfetto, zu Tisch bitte, zum Dritten.
Mike selbst hat in Woodstock bereits in den 60er-Jahren Erfahrung mit dem Anbau von Trauben gemacht, wohl nicht nur damit. Einhergehend mit Anekdoten aus der Vergangenheit und dem Nachtisch aus dem Copacabana Palace in Rio, long time ago, before Latin Music was getting popular, nötigt uns der Hausherr aufs Musikalischste mit einem Süßwein, ein Muscat de Rivesaltes, 2002er, Roussillon von Domaine Sarda-Malet. Eine runde Sache, virtuose Zwischentöne und ein final überzeugender Schlussakkord: In gegenseitiger Zusprache widmen wir uns einem kleinen Käseteller und dem zeitlich letzten Wein des Abends, einem Bruder des vorangegangenen, ein Rivesaltes La Carbasse, 2000er, wieder von der Domaine Sarda-Malet. Roquefort, Münster, Reblochon und Epoisses fühlen sich in dieser Begleitung wohl. Die Mostarda schmiegt sich an das schmelzende Eiweiß im Munde, bis die unvermeidbare Diskussion übers Jazzbusiness noch einmal kurz aufbricht wie stotternde Lava, jedoch mit jedem Schluck - diesmal Wasser - gekühlt und einfach weggespült wird. Salute.
Rezept für die Spaghettini à la Mainieri:
Kleine, geschälte, ungekochte Garnelen (frisch oder aufgetaut), gesäubert und abgespült
500 g Spaghettini
7 reife Tomaten, saisonal frisch oder außer Saison aus der Dose (z.B. aus San Marzano)
1 Bund Lauchzwiebeln (Frühlingszwiebeln)
4 Schalotten
erstklassiges Olivenöl
bestes Meersalz
250 g Büffelmozzarella
1 Glas Champagner
Schalotten, Lauchzwiebeln klein schneiden, Mozzarella würfeln (ca. 1 cm Seitenlänge). Tomaten vierteln, Flüssigkeit und Kerne daraus entfernen und separat aufbewahren. Haut abziehen, indem Sie mit der Innenseite der flachen Hand ein Tomatenviertel andrücken und mit einem scharfem Messer zwischen Haut und Tomatenfleisch vorsichtig durchfahren. Oder auch die Tomaten vor dem Zerkleinern überbrühen und vor der Weiterverarbeitung die Haut abziehen. Dann die gehäuteten Tomatenviertel in kleine Würfel schneiden.
Die Schalotten und Lauchzwiebeln im Olivenöl in der Pfanne bei mittlerer Hitze glasig schwitzen, die Tomatenstücke hinzufügen und salzen, die abgeseihte Tomatenflüssigkeit und Champagner eingießen. 4 bis 5 Minuten köcheln, bis viel der Flüssigkeit verdampft ist. Die Garnelen dazugeben und ca. 3 Minuten garen, bis deren Fleisch weiß wird. 1 1/2 Minuten nach Beigabe der Garnelen die Mozzarellawürfelchen in die Pfanne geben. Mit der zwischenzeitlich gekochten Pasta mischen und nach Belieben mit Olivenöl, Salz und frisch gemahlenem Pfeffer nachwürzen.
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