Genau acht Jahre ist es her, dass Tim Berne mit Marc Ducret und Tom Rainey auf dem Album Big Satan einen Kontrapunkt zu seiner damals regulären Band Bloodcount setzte. Die für Bernes Verhältnisse ungewöhnlich kompakten, verschränkten Konstruktionen des Trios klangen wie ein versteckter Tribut an Ornette Coleman. Ein singuläres Projekt, so schien es. Doch wie auf jedem einzelnen Album, so denkt der Saxofonist auch in seiner gesamten Laufbahn in größeren Maßstäben. Unter dem Titel Souls Saved Hear erscheint im September das zweite Album der Langzeitformation Big Satan.
Es ist erstaunlich, dass der für seine Überraschungen bekannte New Yorker gerade auf ein so altes Vehikel wie Big Satan zurückgreift, um eine völlig neue Denkart zu postulieren. Mehr als auf irgendeinem Album zuvor setzt Berne auf die Post Production. Produzent David Torn macht Sounds hörbar, die bei einer klaren 1:1-Situation kaum wahrnehmbar wären.
Seit dem letzten Big-Satan-Album, so Berne, sind fast zehn Jahre vergangen. Seitdem haben wir vielleicht acht Gigs gespielt. Jeder der drei Musiker hat sich persönlich enorm weiter entwickelt. Das Album klingt also total frisch und unverbraucht. David Torn hat unglaublich gute Ohren. Er weiß genau, was man hören muss und wie man das technisch umsetzt. Mir fehlen die technischen Kenntnisse, die Sounds, die ich im Kopf habe, präzise anzusteuern. Torn hat unendlich viel Geduld, um auch das kleinste Detail angemessen herauszuarbeiten. Im Gegensatz zu den meisten Jazz-Platten, die in zwei Tagen gemischt werden, nahm der Mix in diesem Fall drei Wochen in Anspruch.
Das heißt nicht, dass Berne das Studio als genuinen Part der musikalischen Schöpfung ansehen würde. Nach wie vor setzt er auf irreversible Prozesse und bestreitet vehement, dass man das Studio auch nur im Nachhinein als viertes Instrument betrachten könnte.
Das Studio ist kein Instrument. Die Person ist ein Instrument. Torn wurde eine Art viertes Bandmitglied. Es gibt Millionen von Menschen mit denselben Werkzeugen, über die auch er verfügt, aber niemand hat dieselbe Sensibilität. Du kannst das beste Studio mieten, aber die Musik klingt immer noch wie Scheiße. Torn würde auch auf einem einfachen Kassettenrekorder bessere Sounds herausholen als die meisten Hightech-Ingenieure.
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