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Die Folklore aus der Hohen Tatra, von Adrian Sherwood dubbig verfeinert, und die jiddische Musik aus den Shtetls von Krakau - viel mehr Weltmusikalisches drang von unserem Nachbarn im Osten bislang nicht an unser Ohr. Aus dem geographischen Herzen Polens melden sich nun sechs junge Leute, die eine neue Qualität in vergessene Klangwelten hineintragen. Der erste programmatische Name der Gruppe war Kapela ze wsi Warszawa, was soviel bedeutet wie Band aus dem Dorf Warschau', erinnert sich Produzent und Entdecker Wlodek Kleszcz. Eine ungeheure Provokation - denn hier waren Leute aus der großen Stadt, die versuchten, traditionelle Musik aus der Region Warsowia zu spielen. Allerdings in einem Stil, der attraktiver und zeitgemäßer daherkommt.
Kleszcz saß 1998 für's polnische Radio in der Jury des New Tradition-Wettbewerbs und votete begeistert für die Jugendband, die dann auch den ersten Preis einheimste und mit Unterstützung des Kulturministeriums ein Album aufnehmen konnte. Einige der Mitglieder haben eine musikakademische Ausbildung, aber das Besondere an ihrem Background ist, dass sie eben aus freien Stücken heraus nach ihren Roots gegraben, den Kontakt zu alten Spielleuten gesucht haben, wie zu Kazimierz Zdrzalik, einem der letzten traditionellen Dorfmusiker der Region Warsowia, erläutert Kleszcz.
Parallel dazu vertieften sich die Musiker ins Studium alter Noten, etwa der Sammlung des deutschen Volksliedforschers und Chopin-Freundes Oskar Kolberg. Wir sind eine von ganz wenigen Gruppen, die mit ihren Wurzeln experimentieren, beteuert der Geiger Wojciech Szpak. Man bedient sich in Polen momentan eher bei der Folkmusik, um sie zu profanisieren und sie damit populär zu machen. Viel ist vom Folk ohnehin nicht übrig geblieben, 50 Jahre Kommunismus haben die orale Tradition völlig abgeschnitten, nur die ganz Alten kennen noch die Volkslieder. Und unsere Musik ist nun ein Angebot an junge Leute, sie wiederzuentdecken.
Für Szpak liegt das Exotische gleich um die Ecke: In Warsowia gibt es gottverlassene Gegenden, wo du in den Wäldern auf fantastische Instrumentalisten stoßen kannst. Man muss nicht nach Indien oder Pakistan gehen, um neue Einflüsse aufzusaugen. Diese aussterbende Musik aus dem Herzen Polens müssen wir für unsere Generation bewahren!
Um ihr Ansinnen mit packendem Vokabular zu versehen, entwickelte die Band einen sehr charakteristischen Stil. In der Frühphase, so Kleszcz, hörte sich der wie der kreisende, trancehafte Streichersound des Kronos Quartet auf Steve Reichs Different Trains an, plus galoppierender Perkussion als Basis. Auch auf dem neuen Album ist Trance immer noch das herausragende Markenzeichen der Band, die sich inzwischen Warsaw Village Band nennt und mit einem durch JARO lizensierten Album (People's Spring) auf außerpolnisches Parkett gelangen möchte. |